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Baugenehmigungen im Neckar-Odenwald-Kreis um 60 Prozent zurückgegangen

Minus 60 Prozent bei Baugenehmigungen

Schlechte Chancen auf ein Wohnen in den eigenen vier Wänden: Vom Einfamilienhaus über das Reihenhaus bis zur Eigentumswohnung – im Neckar-Odenwald-Kreis gibt es rund 42.800 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss. Denn ihre Eigentümer nutzen sie selbst. Die Wohneigentumsquote im Neckar-Odenwald-Kreis liegt damit bei rund 65,1 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt hervor, die das Pestel-Institut (Hannover) gemacht hat.

Darin geben die Wissenschaftler eine eher düstere Prognose, wenn es um das Wohneigentum im Neckar-Odenwald-Kreis geht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es nach Angaben des Pestel-Instituts im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis lediglich 87 Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 220 Baugenehmigungen. „Damit ist der Eigenheimbau innerhalb von nur einem Jahr um 60 Prozent zurückgegangen“, sagt Matthias Günther. Der Leiter des Pestel-Instituts sieht „das Wohneigentum weiter auf der Rutschbahn“. Um eine Kehrtwende zu erreichen, müsse der Staat dringend ein effektives Wohneigentumsprogramm auf die Beine stellen.

„Der Traum vom eigenen Haus, von der eigenen Wohnung – er platzt gerade in Serie. Wenn es um das Anschaffen von Wohneigentum geht, ist auch der Neckar-Odenwald-Kreis quasi in eine Schockstarre verfallen“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Wohnungsmarkt-Untersuchung beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hat.

Nur wenige Menschen könnten sich die eigenen vier Wände heute noch leisten. „Hohe Zinsen, hohe Baulandpreise, hohe Baukosten, die vor allem auch durch hohe Klimaschutz-Auflagen nach oben getrieben werden: Wohneigentum scheitert am Geld“, so Metzger.

Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut sprechen sich in ihrer Untersuchung deshalb für ein „Bundes-Baustartkapital“ aus. „Wer heute neu bauen will, der braucht vor allem eines: günstiges Geld. Notwendig ist deshalb ein Bundes-Baudarlehen mit höchstens 1,5 Prozent Zinsen als Startkredit fürs Wohneigentum.

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Der Staat sollte den Menschen den festen Niedrigzins für 20 Jahre bieten – und das für einen Kredit in Höhe von bis zu 4.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche“, fordert Wohnungsmarktforscher Matthias Günther. Dadurch ließe sich der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern, von Eigentumswohnungen und Reihenhäusern auch im Neckar-Odenwald-Kreis wieder pushen. „Mit der Garantie eines langfristig kalkulierbaren und günstigen Kredits würde der Bund den Menschen die Chance geben, zu ‚Neubau-Startups‘ zu werden“, so Günther.

Um mehr Wohneigentum möglich zu machen, sei deshalb ein mehrere Milliarden Euro schweres Darlehenspaket des Bundes notwendig. Die bestehende, erst in diesem Jahr neu eingeführte Wohneigentumsförderung des Bundes erklärt das Pestel-Institut für gescheitert: Mit 350 Millionen Euro ließe sich bestenfalls der Neubau von 2.000 Eigenheimen anschieben.

Das Ziel des Bundes sollte es aber sein, 100.000 neu gebaute Eigenheime pro Jahr zu schaffen und damit an frühere Kapazitäten bei der Bildung von Wohneigentum anzuknüpfen. „Außerdem geht die aktuelle Wohneigentumsförderung der Ampel völlig an der Lebensrealität vorbei: Wer sie in Anspruch nimmt, braucht ein niedriges Einkommen. Er muss aber gleichzeitig genug Geld auf der hohen Kante haben, um sich bei hohen Grundstückspreisen und hohen Baukosten einen Neubau leisten zu können“, so Institutsleiter Matthias Günther.

„Ins Geld geht vor allem der Energiespar-Zwang. Hier muss der Bund einen Gang zurückzuschalten“, sagt die Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel, Katharina Metzger. Wer heute für sein Wohneigentum die Förderung vom Bund nutzen wolle, müsse nach dem „extrem ehrgeizigen Effizienz-Standard 40“ bauen. „Das ist aber auch extrem teuer. Also macht es kaum einer. Der Staat muss endlich davon wegkommen, nur ‚Super-Klimaschutzhäuser‘ zu fördern.

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Denn die hohen Standards machen das Bauen richtig teuer“, so Metzger. Und das bei einer Kosten-Nutzen-Relation, die schon rechnerisch nicht passe. „Das Geld, das zusätzlich beim Neubau in den Klimaschutz gesteckt werden muss, holt auf Jahre hinweg keiner beim Energiesparen mehr heraus“, sagt die BDB-Präsidentin.

FAQs

Was sind die aktuellen Wohnungsbesitzquoten im Neckar-Odenwald-Kreis?

Die aktuelle Wohneigentumsquote im Neckar-Odenwald-Kreis liegt bei rund 65,1 Prozent.

Wie viele Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres im Neckar-Odenwald-Kreis?

Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es nur 87 Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser im Neckar-Odenwald-Kreis.

Wie viel Prozent ist der Eigenheimbau im Neckar-Odenwald-Kreis im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen?

Der Eigenheimbau im Neckar-Odenwald-Kreis ist um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

Was schlägt das Pestel-Institut vor, um den Eigenheimbau wieder anzukurbeln?

Das Pestel-Institut schlägt vor, dass der Staat ein effektives Wohneigentumsprogramm auf die Beine stellt, einschließlich eines Bundes-Baudarlehens mit niedrigen Zinsen und einem mehrere Milliarden Euro schweren Darlehenspaket des Bundes.

Wie bewertet das Pestel-Institut die bestehende Wohneigentumsförderung des Bundes?

Das Pestel-Institut erklärt die bestehende Wohneigentumsförderung des Bundes für gescheitert und fordert stattdessen ein umfangreicheres Förderprogramm, um das Ziel von 100.000 neu gebauten Eigenheimen pro Jahr zu erreichen.

Was sind die Bedenken der Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel hinsichtlich der aktuellen Wohneigentumsförderung?

Die Präsidentin des Verbandes kritisiert den Energiespar-Zwang und fordert den Bund auf, von den extrem hohen Klimaschutzstandards abzurücken und stattdessen verschiedene Maßnahmen zur Förderung des Wohneigentums anzubieten, die für die Menschen bezahlbar sind und eine sinnvolle Kosten-Nutzen-Relation haben.

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Gefundene Quellen für diesen Artikel: 4
Wichtigste Quelle für die Basisinformationen und Factcheck: www.nokzeit.de

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