Emsland

Lesung über vergessene Schicksale: Displaced Persons im Emsland!

Am Freitag, den 4. April, findet um 18 Uhr eine Lesung mit dem Historiker Rüdiger Ritter anlässlich der Nacht der Bibliotheken in der Gedenkstätte Esterwegen, Hinterm Busch 1, statt. Die Veranstaltung beschäftigt sich mit dem Thema „Displaced Persons im Emsland“. Rüdiger Ritter, der auch als Leiter des Dokumentationszentrums Haren/Macków tätig ist, wird die Erfahrungen von Soldaten der 1. Polnischen Panzerdivision, Kämpferinnen aus dem Warschauer Aufstand sowie polnischen Überlebenden in Displaced Persons Camps vorstellen.

Ritter ist der Autor des Buches „Haren / Maczków 1945-1948“ und der Graphic Novel „Maczków“. Das Ziel der Lesung ist es, ein besseres Verständnis für die Perspektiven der ehemaligen Kriegsgegner zu fördern. In diesem Zusammenhang wird auch auf die bundesweite Aktion „Wissen. Teilen. Entdecken.“ hingewiesen, die in Bibliotheken Veranstaltungen organisiert, um deren Sichtbarkeit als Orte der Information und des Austauschs zu erhöhen. Die Bibliothek der Gedenkstätte Esterwegen verfügt über etwa 9.000 Bände zur Geschichte der Emslandlager und zur Erinnerungskultur. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Nacht der Bibliotheken sind auf den Websites nachtderbibliotheken.de und gedenkstaette-esterwegen.de verfügbar.

Hintergrund zu Displaced Persons

Die Thematik der Displaced Persons (DP) ist eng mit den Nachkriegsjahren verbunden. Bei Kriegsende, im Jahr 1945, lebten etwa 10,8 Millionen DP in Deutschland. Diese Gruppe setzte sich aus sowjetischen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Flüchtlingen und befreiten KZ-Insassen zusammen. Der Gesundheits- und Ernährungszustand vieler dieser Menschen war äußerst schlecht, weshalb sich die Alliierten und internationale Hilfsorganisationen um ihre Betreuung und Rückführung in die Heimatländer bemühten.

Die DP waren in eigenen Lagern untergebracht, die in ehemaligen Konzentrationslagern, Schulen und Krankenhäusern eingerichtet wurden. Diese Lager boten den Displaced Persons Betreuung, Verpflegung und Kleidung. Während die Rückführung von DP aus Westeuropa meist reibungslos verlief, weigerten sich viele DP aus Osteuropa zurückzukehren, aus Angst vor den neuen politischen Verhältnissen in den Heimatländern. Insbesondere Polen hatten Sorgen vor den neuen Machtverhältnissen, während sowjetische und ukrainische Zwangsarbeiter fürchteten, als Komplizen der Deutschen bestraft zu werden. Die Sowjetunion drängte auf eine Rückführung, die oftmals unter Zwang vollzogen wurde. Erst Anfang 1946 erließen die Vereinten Nationen die Regelung, dass eine Rückführung nur auf freiwilliger Basis erfolgen dürfe. Im Sommer 1948 lebten noch rund 493.000 heimatlose Menschen in Deutschland, was das Ausmaß der Thematik verdeutlicht, wie auch auf hdg.de nachzulesen ist.

Ort des Geschehens

Ort des Geschehens

Statistische Auswertung

In welcher Region?
Gedenkstätte Esterwegen
Genauer Ort bekannt?
Hinterm Busch 1, 26892 Esterwegen, Deutschland
Beste Referenz
nordnews.de
Weitere Infos
hdg.de