
West-Friesland hat zwischen 1940 und 2010 eine umfassende Transformation durchlaufen. Mehr als 50.000 Hektar von 78.000 Hektar Landschaft wurden reorganisiert und verkavelt, was tiefgreifende Veränderungen in der regionalen Landwirtschaft mit sich brachte. Wie Streekomroep Westfriesland berichtete, beleuchtet die Dokumentation „Van Kloeten naar Kavels“ das neue Landschaftsbild, welches heute durch lange, gerade Straßen und große grüne Felder geprägt ist. Zuvor transportierten Gärtner ihre Ernte durch ein Netzwerk von Wasserwegen mit kleinen Booten, doch dieses historische Bild ist fast vollständig verschwunden.
Sicco Mansholt, der 1945 von PvdA-Premier Wim Schermerhorn als Minister für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung ernannte wurde, spielte eine entscheidende Rolle in dieser Umgestaltung. Mansholt hatte die Vision, die Lebensmittelversorgung in den Niederlanden nach dem Krieg wiederherzustellen und betrachtete die Ruilverkaveling (Flurbereinigung) als ein Mittel zur Modernisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft. Er hoffte, dass die Vergrößerung der Betriebe die Lebensbedingungen der Landwirte verbessern würde. Zu dieser Zeit waren die Lebensbedingungen der Gärtner in West-Friesland bescheiden und die Region war durch Wasserpolder geprägt, was den Transport erschwerte.
Veränderungen in der Landschaft
Die Flurbereinigungspläne führten zu einer steigenden Exportnachfrage nach Gemüse und Obst nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein neues West-Friesland wurde entworfen, mit größeren, zusammenhängenden Parzellen, die direkten Zugang zu Straßen hatten. Nach diesen Veränderungen blieben von ursprünglich 4138 Parzellen nur 701 übrig. Diese drastische Neugestaltung führte dazu, dass alte Gebäude und Wasserwege verschwanden und fruchtbarer Boden gleichmäßig verteilt wurde.
In den Jahren nach der Flurbereinigung blieb jedoch nur ein minimales Erbe der historischen Landschaft erhalten, während die neu gestaltete Landschaft zunächst karg und grau wirkte. Die wirtschaftliche Entwicklung setzte ein, und große Bulldozer wurden eingesetzt, um kleine Wasserwege zu schließen. Tjalling James, der 1973 als Beamter bei der Kulturdienststelle begann, unterstützte den Prozess in Het Grootslag, das 1961 initiiert wurde. Nach Abschluss der Flurbereinigung waren nur noch 520 Betriebe im Vergleich zu 1175 vorherigen vorhanden.
Die zweite Episode der Dokumentation „Van Kloeten naar Kavels“ wird am kommenden Sonntag veröffentlicht und behandelt die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gärtner in der Region. Zusätzlich würdigt eine Ausstellung namens „Sicco Mansholt: A Good European“ die Lebensgeschichte von Mansholt, in der auch die Modernisierung der niederländischen Landschaft thematisiert wird. Die Ausstellung wird von Marten Kuijpers kuratiert und umfasst Informationen und Filme über die Veränderungen, die Mansholts Ideen in der Landwirtschaft bewirkten, wie Het Nieuwe Instituut berichtete.