
Mit der bevorstehenden Umstellung auf die Sommerzeit warnen die Polizei und die Landesjägerschaft Niedersachsen vor einem erhöhten Risiko von Wildunfällen. Diese Gefahr ergibt sich insbesondere aus der Anpassung des Biorhythmus der Wildtiere, die sich an den Lichtverhältnissen orientieren. Laut Experten erfolgt der Wildwechsel vor allem in der Dämmerung, was nach der Zeitumstellung zu einer kritischen Situation im Straßenverkehr führen kann, insbesondere da der Berufsverkehr zeitlich auf die Phase gelegt wird, in der Tiere aktiv sind.
Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, äußert sich besorgt über die Risiken der Zeitumstellung. Die Polizei empfiehlt Autofahrern, besonders in gefährdeten Bereichen langsamer zu fahren, bremsbereit zu bleiben und das Fernlicht auf Abblendlicht umzustellen. An besonders unfallanfälligen Stellen werden rote Dreibeine aufgestellt, um auf die Gefahr hinzuweisen. Zudem betont die Polizei der Region Nienburg die Bedeutung einer stabilen Fahrweise und rät von gefährlichen Ausweichmanövern ab. Bei einem unvermeidlichen Unfall sollten Fahrer stark bremsen.
Wissenschaftliche Perspektiven und Empfehlungen
Wissenschaftler Alexander Wirth erklärt, dass Menschen durch die Zeitumstellung eine Art Jetlag erleben können, was ebenfalls Auswirkungen auf ihre Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr hat. Er hebt hervor, dass der Auf- und Abbau von Proteinen in Körperzellen in Zusammenhang mit den Lichtverhältnissen steht. Aus diesem Grund empfiehlt Wirth Schulen und Unternehmen, die Zeitumstellung zu berücksichtigen, und plädiert sogar für deren Abschaffung.
Zusätzlich zeigen Daten des Deutschen Jagdverbandes, dass Wildunfälle besonders im April und Mai zunehmen, mit einem hohen Anteil an Rehen, die an fast 50% der Fälle beteiligt sind. Anhand von 48.200 Fällen im Tierfund-Kataster aus den Jahren 2019 bis 2022 wurde ermittelt, dass Fleischfresser nur 15% der Wildunfälle ausmachen. Autofahrer sollten sich in wald- und feldreichen Gebieten besonders vorsichtig verhalten und bei Nacht oder in Dämmerungsphasen die Geschwindigkeit reduzieren. Die App „Tierfundkataster“ ermöglicht zudem das Melden verunfallter Tiere und trägt zur Analyse von Unfallschwerpunkten bei.
Eine angepasste Fahrweise in diesen Regionen, ein Tempo von 80 statt 100 km/h und das richtige Verhalten im Falle eines Wildunfalls sind wichtige Empfehlungen für alle Verkehrsteilnehmer, um diese Risiken zu minimieren. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf Tagesschau.de und tierschutz.com.