Hannover

Hannover im Streit: Wird das verschwundene Corinth-Gemälde zurückgegeben?

In der Stadt Hannover dreht sich derzeit alles um die Rückgabe des Gemäldes „Wicken und Rosen (Erbsenblüten)“ von Lovis Corinth, das seit 1949 im Besitz der Stadt ist. Das Werk gehörte ursprünglich der jüdischen Familie Levy, die während der nationalsozialistischen Verfolgung aus Deutschland fliehen musste. Die Familie fordert seit 2008 die Rückgabe des Gemäldes und wird von der Rechtsanwältin Sabine Rudolph vertreten.

Die Stadt Hannover hat sich bislang geweigert, das Gemälde zurückzugeben, da man die Beweise für einen Druckverkauf als nicht ausreichend erachtet. Annette Baumann, Provenienzforscherin, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der Herkunft der Werke in der Doebbeke-Sammlung, aus der das Bild 1949 durch Ankauf überführt wurde. Obwohl eine Publikation zur Sammlung Doebbeke für 2019 angekündigt wurde, ist sie bis heute nicht erschienen; ein neuer Erscheinungstermin ist Ende Februar geplant. Kulturdezernentin Eva Bender erklärte, dass es keine abschließende Klärung über die Restitution des Gemäldes gibt.

Neue Hinweise zur Provenienz des Gemäldes

Angesichts der anhaltenden Diskussionen gibt es neue Hinweise, dass das Bild möglicherweise im Eigentum des Galeristen Justin Thannhauser gewesen sein könnte, der ebenfalls verfolgt wurde. Restitutionsexperte Stefan Koldehoff, der im Thannhauser-Archiv recherchierte, stellte jedoch fest, dass es keine Belege für den Besitz des Bildes durch Thannhauser gibt. Koldehoff fordert die Stadt Hannover auf, ihre Vermutungen zu belegen und betont die Verpflichtung zur Rückgabe an die Erben. Er bezeichnet die Entscheidung der Stadt, den Fall an eine neutrale Institution abzugeben, als „ein Spiel auf Zeit“.

Die Diskussion um die Rückgabe von geraubten Kunstwerken ist nicht neu und hat eine lange Geschichte. In der Region Frankfurt spielte man beispielsweise eine bedeutende Rolle bei der Rückgabe kulturguter, die während des Nationalsozialismus geraubt wurden. Ab 1945 richteten die Alliierten im Rothschild Palais einen Sammelpunkt ein, um über eine Million Bücher und andere rituelle Objekte, die von den Nationalsozialisten gestohlen wurden, zu lagern und die früheren Eigentümer zu identifizieren. Wo dies nicht möglich war, wurden die Objekte an jüdische Institutionen weltweit übergeben, wie das Jüdische Museum berichtet.

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Weitere Infos
juedischesmuseum.de