
Lars van den Hoogen, der Ortsbrandmeister von Lilienthal, fordert die Bevölkerung auf, sich im Katastrophenfall selbst helfen zu lernen. Dies ist eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass die Einsatzkräfte nicht in der Lage sind, alle Menschen und Objekte gleichzeitig zu schützen. Stattdessen solle die Bevölkerung lernen, Gefahren zu vermeiden und ihr eigenes Risiko zu verringern. Ein Beispiel hierfür ist das Hochwasser des vergangenen Winters, bei dem Sperrgebiete ignoriert und ein sogenannter Social-Media-Hochwassertourismus beobachtet wurde, wie der Weser-Kurier berichtete.
Die Lilienthaler Feuerwehr sieht einen klaren Bedarf, den Katastrophenschutz angesichts extremer Wetterereignisse und der geopolitischen Lage stärker zu berücksichtigen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Feuerwehr 202 Einsätze, während es im Jahr davor noch 273 Einsätze wegen Hochwasser waren. Anfang 2024 startete das „große Aufräumen“ nach den Hochwasserereignissen, wobei die Feuerwehr einen Katalog mit 32 Vorschlägen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erstellte. Zudem wurden durch Spenden eine Drohne und ein Container mit Pumpen angeschafft.
Wachsende Herausforderungen für die Einsatzkräfte
Die Einsätze der Feuerwehr umfassten auch Gefahrguteinsätze, technische Hilfeleistungen und Brandeinsätze, jedoch gab es keinen Großbrand in der Gemeinde. Die wetterbedingten Einsätze nehmen zu, was auf einen spürbaren Klimawandel hinweist. Darüber hinaus gab es Personalveränderungen in der Feuerwehr: Gemeindebrandmeister Andreas Hensel und sein Stellvertreter Kai Garbade verabschiedeten sich, während Harm Behrens und Malte Braun neue Aufgaben übernehmen. Rainer Herzberg wurde als erster hauptamtlicher Gerätewart eingestellt. Trotz einer positiven Entwicklung der Mitgliederzahlen gibt es jedoch nur zwei Frauen in der Einsatzabteilung, die insgesamt 68 Männer zählt.
Ein Wechsel an der Spitze der Ortsfeuerwehr steht ebenfalls bevor: Ture Schönebeck zieht sich als stellvertretender Ortsbrandmeister zurück, und Kay Müller soll sein Nachfolger werden. 53 von 55 stimmberechtigten Feuerwehrleuten unterstützen diesen Vorschlag, der in der nächsten Sitzung des Gemeinderats am 18. Februar entschieden werden soll. Langjährige Feuerwehrleute wurden in dieser Sitzung geehrt, darunter Dennis Hasenpusch, der seit 25 Jahren dabei ist, sowie Lothar Schwall und Sönke Renken seit 40 Jahren, und Hans-Dieter Meyerdierks, der seit 60 Jahren tätig ist.
Die Herausforderungen, vor denen die Feuerwehren stehen, sind nicht isoliert, sondern Teil eines breiteren Problems. Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 unter 1.750 Feuerwehrleuten zeigt, dass 76 Prozent von ihnen Mehrarbeit leisten. Die durchschnittliche regelmäßige Arbeitszeit beträgt 48 Wochenstunden, mit einer durchschnittlichen Mehrarbeit von 6,9 Stunden pro Woche. Der Hauptgrund für die überlangen Arbeitszeiten wird von 62 Prozent der Feuerwehrleute im fehlenden Personal gesehen. Fast ein Drittel von ihnen, die über Personalmangel klagen, denkt sogar über einen Arbeitsplatzwechsel nach, während 72 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass nicht ausreichend Stellen vorhanden sind, um die Aufgaben zu erfüllen. Diese Informationen stammen aus einer Analyse, die unter anderem die Zunahme des Brandrisikos durch den Klimawandel thematisiert, verbunden mit der Erwartung, dass insbesondere Vegetations- und Waldbrände zunehmen werden, wie es auf energie-klimaschutz.de beschrieben wird.