In Waren an der Müritz ist die neue Einbahnstraßenregelung am Stadthafen ein heiß diskutiertes Thema. Vor allem die Gastronomiebetriebe sehen sich durch die Verkehrsveränderungen stark betroffen. Der Ansturm an Sommergästen bleibt aus, und das hat auch ganz praktische Gründe.

„Die Einbahnstraße ist eine absolute Katastrophe!“ So bringt es Lorena Tusha, die im Steak-Restaurant „Mendoza“ arbeitet, auf den Punkt. Autofahrer dürfen nur noch in Richtung Müritzeum fahren und der Zugang zu den beliebten Restaurants, die hinter den Bäumen in der zweiten Reihe liegen, ist erschwert. „Uns findet kaum noch jemand,“ klagt Tusha. Die Saison läuft bisher schlecht, was den Gastronomen große Sorgen bereitet.

Einbahnstraße und Bauarbeiten

Die Einführung der Einbahnstraße ist eine Folge der Bauarbeiten an der Brücke auf der B 192, die gesprengt werden muss. Die Mecklenburger Straße ist aufgrund dieser Arbeiten nicht mehr befahrbar, und die Regelung soll voraussichtlich bis November bestehen bleiben. Das bedeutet, dass Autofahrer nicht mehr aus der Kietzstraße zum Hafen gelangen können und ein linkes Abbiegen in die Hafenstraße verboten ist. Willi Esser, der bei „Ferienkontor Meike Ottlips“ arbeitet, beobachtet besorgt einen drastischen Rückgang der Parkvorgänge: von 380 im Vorjahr auf nur 40 in diesem Jahr. Das hat direkte Auswirkungen auf das Geschäft – der Parkplatz hinter dem Steakhaus bleibt größtenteils ungenutzt.

Kerstin Albers, von dem Hotel „Am Yachthafen“, bringt ebenfalls in Erfahrung, dass die Umwege für die Gäste zur Tiefgarage eine echte Herausforderung darstellen. Man fragt sich, wo die noch so beliebten Ausflüge hin sind, wenn sogar die Gäste beim Parken Fragen aufwerfen. Claudia Bergmann, Vorsitzende des Warener Innenstadtvereins, äußert: „Die Situation ist unzufriedenstellend“ und befürchtet eine Verlagerung des Verkehrs in die Altstadt.

Politische Stimmen und mögliche Lösungen

Auch in der Politik regt sich Unmut. Ralf Spohr von der CDU beschreibt die Lage als nicht zufriedenstellend und fordert alternative Lösungen. Tony Wachholz von der AfD kündigt an, das Thema in der nächsten Ausschusssitzung zu behandeln. Bürgermeister Norbert Möller (SPD) erklärt währenddessen, dass zwar der Verkehr am Hafen beruhigt sei, die derzeitigen Regelungen dennoch problematisch seien.

Mit den bevorstehenden Bauarbeiten an der Brücke soll laut der Webseite Straßen-MV der Fahrzeugverkehr auf der B 192 während der gesamten Dauer der Baumaßnahmen zweispurig bleiben. Dies sorgt für einen gewissen Hoffnungsschimmer in der Stadt. Jedoch müssen mehrere Sperrungen einkalkuliert werden. Vom 1. bis zum 31. Juli wird die Bahnstrecke Rostock – Neustrelitz gesperrt, was zusätzlich für Verwirrung bei den Verkehrsteilnehmern sorgen könnte.

Mobilität im Wandel

Gastronomie und der Verkehr scheinen derzeit die Stadt an der Müritz stark zu prägen. In einer Zeit, in der Mobilität für die Wirtschaft und die Gesellschaft entscheidend ist, sehen sich die Städte und Kommunen großen Herausforderungen gegenüber. Wie das Bundesministerium für Digitales und Verkehr betont, riauf neue Mobilitätskonzepte und alternative Verkehrsmittel setzen. Die Maßnahmen zur nachhaltigen Stadt- und Verkehrsplanung übertragen Verantwortung auf die Kommunen, die mit einer Infrastruktur „der kurzen Wege“ einen Weg für einen besseren Fußgänger- und Fahrradverkehr ebnen müssen.

Mit der Mobilitätswende im Hinterkopf wird klar: Diese Vorschriften sind nicht einfach ein notwendiges Übel, sondern Teil eines größeren Plans, der langfristig auch den Warener Gastronomie-Betrieben zugutekommt, wenn die Umsetzung gelingt.