In den pulsierenden Straßen Altonas hat sich ein kreatives Protestformat etabliert, das nicht nur die Ohren, sondern auch die Herzen der Menschen erreicht. Am 9. April 2026 fand bereits die 158. Auflage des Kreiselkonzerts statt. Hierbei handelt es sich um ein facettenreiches Event, das im Schatten der drohenden Abrisspläne für die historische Sternbrücke eine Plattform bietet, um für den Erhalt des kulturellen Erbes zu kämpfen. Mit zwei Boxen, einem Mischpult, DJ und zwei Mikrofonen sorgten die drei Performer Jànfrie, Jannik Beck und Diamando für eine musikalische Umrahmung, die im Stile des deutschsprachigen Indie-Pop und der Neuen Deutschen Welle begeisterte.
Ein wichtiger Aspekt des Kreiselkonzerts ist, dass es ohne eine Bühne auskommt und somit eine ganz besondere Nähe zwischen Künstlern und Publikum schafft. Bei einem geschätzten Besucheraufkommen von 250 Menschen, vorwiegend aus der jüngeren Generation, schallte der Schlachtruf „Sternbrücke bleibt!“ durch die Luft. Getränke sind beim Kiosk erhältlich und für Raucher stehen Handaschenbecher bereit, um der Umwelt Rechnung zu tragen. Diese Initiative zeigt, dass auch kleine Maßnahmen einen großen Unterschied machen können.
Ein kulturelles Erbe in Gefahr
Die Sternbrücke, eine Kreuzung zweier Hauptverkehrsstraßen, über die S-Bahnen und Züge fahren, ist nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein Symbol für den subkulturellen Kiez von Altona. Der Abriss dieser Brücke wurde durch das Oberverwaltungsgericht am 4. November 2025 genehmigt, was viele Künstler und Anwohner in Sorge versetzt. Die parallelen Bauarbeiten für die neue Brücke laufen bereits, doch die Unsicherheit über die Zukunft der Kreiselkonzerte bleibt bestehen. Marlies Thätner von der Initiative Sternbrücke hat ein Beteiligungsverfahren für die Umfeldplanung angekündigt, um die Stimme der Anwohner in den Prozess einzubeziehen.
Die Kreiselkonzerte bieten eine wertvolle Möglichkeit für gemeinschaftliches Zusammenkommen, das über die Musik hinausgeht. Sie stellen einen Raum dar, in dem der kulturelle Austausch und die Solidarität in der Nachbarschaft gefördert werden. Rasmus Gerlach, ein Dokumentarfilmer, hat bereits einen Film über die ersten fünf Jahre der Kreiselkonzerte gedreht und dokumentiert damit die Entwicklung dieses einzigartigen Events.
Ein Zeichen für Open-Air-Kultur
Das Kreiselkonzert ist nicht die einzige Veranstaltung, die sich für die Förderung von Musik und Kunst im öffentlichen Raum einsetzt. Erst vergangenes Wochenende fand im Bezirk Altona der „Demorave“ statt, organisiert von Gruppierungen aus der Elektromusik-Szene. Unter dem Motto „Die Stadt, die wir wollen, beginnt mit uns“ versammelten sich bis zu 10.000 Teilnehmer, um für mehr Unterstützung für spontane und privat organisierte Musikveranstaltungen zu demonstrieren. Diese Art von Events zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis nach einer lebendigen und vielfältigen Open-Air-Kultur in Hamburg gibt, die oft im Schatten kommerzieller Angebote steht.
Die Kritik an der Ignoranz gegenüber nicht-kommerziellen, spontanen Openair-Veranstaltungen wird lauter. Während die Hochkultur gefördert wird, kämpfen subkulturelle Gruppen darum, ihre eigenen Räume zu schaffen. Die Forderung nach Flächen für solche Veranstaltungen ist dringlicher denn je.
Die Kreiselkonzerte und ähnliche Events sind nicht nur ein Ausdruck von Kreativität und kulturellem Erbe, sie sind auch ein Zeichen des Widerstands gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und zeigen, wie wichtig es ist, Räume für die Kultur und Gemeinschaft zu erhalten.