Hans-Jürgen Massaquoi: Überlebensgeschichte eines Helden aus Hamburg
Entdecken Sie die bewegende Lebensgeschichte von Hans-Jürgen Massaquoi, geboren 1926 in Hamburg, und sein Überleben im NS-Regime sowie seine bedeutende Karriere in den USA.

Hans-Jürgen Massaquoi: Überlebensgeschichte eines Helden aus Hamburg
Am 19. Januar 1926 erblickte Hans-Jürgen Massaquoi in Hamburg-Eppendorf das Licht der Welt. Als Sohn einer deutschen Krankenschwester, Bertha Baetz, und eines liberianischen Diplomaten, Al-Haj Massaquoi, wuchs er in einem Hamburg auf, das zu dieser Zeit von den Idealen des Nationalsozialismus geprägt war. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in großbürgerlichen Verhältnissen, bevor das Schicksal seine Familie 1929 nach Barmbek führte, wo sie mit einer ganz anderen Realität konfrontiert wurden. Viele seiner Verwandten kehrten nach Liberia zurück, sodass Massaquoi und seine Mutter fortan allein waren. In dieser schwierigen Umgebung begann er, die frustrierende Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung am eigenen Leib zu verspüren.
Wie NDR berichtet, wurde Massaquoi in der Schule häufig von Lehrern erniedrigt und von seinen Mitschülern gemobbt. In dieser Zeit erlebte er auch die verstärkte Diskriminierung, die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 einherging. Offiziell als “Nicht-Arier” stigmatisiert, versuchte Massaquoi verzweifelt, sich anzupassen. Er nährte ein Hakenkreuz auf seinen Pullunder und bemühte sich um einen Platz in der Hitlerjugend, in der Hoffnung, akzeptiert zu werden.
Ein Leben zwischen Rassismus und Resilienz
Die Kindheit und Jugend des jungen Massaquoi waren von ständigen Herausforderungen geprägt. Er lebte in einem Deutschland, in dem Rassismus allgegenwärtig war, und war immer wieder Ziel von diskriminierenden Bemerkungen und feindlichen Blicken. Wie NAG hervorhebt, war Massaquoi nicht nur das Opfer von Herabwürdigungen, sondern auch von physischen Angriffen während seiner Schulzeit. Trotz dieser schweren Zeiten entwickelte Massaquoi eine bemerkenswerte Resilienz, die ihn seine Lebensgeschichte prägen sollte.
Als im Sommer 1943 die Bombenangriffe auf Hamburg begannen, lebte Massaquoi mit seiner Mutter in ständiger Angst. Doch er überlebte den Terror des Zweiten Weltkriegs, teilweise auch, weil es keinen systematischen Vernichtungsplan für Schwarze gab. Nach dem Krieg kamen seine Begegnungen mit US-Seeleuten, die sein Interesse an den Vereinigten Staaten weckten und ihn schließlich dazu bewegten, 1948 Deutschland zu verlassen. Er zog nach Liberia, bevor es ihn 1950 in die USA verschlug. Dort fand er seinen Platz als Fallschirmjäger in der US-Armee und studierte Publizistik.
Ein Vermächtnis des Kampfes für Gleichheit
Sein beruflicher Werdegang beeindruckte: 39 Jahre lang arbeitete Massaquoi für die afro-amerikanische Zeitschrift „Ebony“ und führte Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Martin Luther King und Malcolm X. 1966 besuchte er Deutschland zum ersten Mal nach seiner Emigration. Sein Leben, das von Rassismus gekennzeichnet war, spiegelte die Herausforderungen wider, mit denen viele Menschen konfrontiert sind, die aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. In seiner Autobiografie „Neger, Neger, Schornsteinfeger“, die 1999 erschien, thematisierte er seine Erfahrungen und erlangte damit große Aufmerksamkeit.
2009 wurde Massaquoi mit dem Großen Bundesverdienstkreuz für seine Beiträge und sein Lebenswerk ausgezeichnet. Tragischerweise verstarb er am 19. Januar 2013 in Jacksonville, Florida, und hinterließ zwei Söhne. Sein Vermächtnis lebt jedoch weiter: Im Jahr 2017 wurde eine Fußgängerpassage in Barmbek nach ihm benannt, um sein Engagement für Gleichheit und gegen Rassismus zu ehren.
Das Leben von Massaquoi ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Stärke des menschlichen Geistes und der Widerstandsfähigkeit inmitten von Diskriminierung. Seine Geschichte ist nicht nur ein Teil der Vergangenheit, sondern auch ein Anstoß, die gegenwärtigen Herausforderungen anzugehen, wie sie etwa in der Diskussion um Racial Profiling in Deutschland auftreten. Die Thematik bleibt relevant, wie Demokratie BW eindrucksvoll darlegt.