Ein echtes Statement soll es werden! Der FC St. Pauli hat für das bevorstehende Heimspiel gegen Union Berlin am Sonntag, den 22. November 2025, einen ganz besonderen Protest angekündigt. In den ersten zwölf Minuten des Spiels werden die Fans auf ihre gewohnte Unterstützung verzichten. Dies ist ein deutliches Zeichen gegen die Maßnahmen, die bei der Innenministerkonferenz Anfang Dezember in Bremen besprochen werden sollen. Diese Maßnahmen richten sich speziell gegen Fußball-Fans und wurden ohne jegliche Rücksprache mit den Fanvertretern entwickelt. Die MOPO berichtet von den Überlegungen des Vereins, der sich klar gegen diese Diskriminierung stellen möchte.

Trainer Alex Blessin zeigt Verständnis für die Aktion und betont die Bedeutung, seine Stimme öffentlich zu erheben. Er fragt sich, wie sich der Protest genau äußern wird und erinnert an frühere Situationen, in denen ein Schweigen nicht hilfreich war. „Die Spieler haben die Verantwortung, das Stadion mitzunehmen“, erklärt Blessin. Er erwartet von seinen Jungs, dass sie den ersten Schritt machen, um die Fans zu motivieren, wenn die Unterstützung in der ersten Zeit fehlt.

Regenbogenfarben als Zeichen

Doch damit nicht genug! Die Fans des FC St. Pauli bringen sich auch gegen eine andere Form der Diskriminierung ein. Als Reaktion auf homophobe Äußerungen des VfL Wolfsburg-Stürmers Kevin Behrens, der sich geweigert hatte, ein Trikot in Regenbogenfarben zu unterschreiben, mobilisieren die Anhänger zu einer Protestaktion. Am 26. Oktober 2024 sollen sie im NDR Livecenter mit Kleidung und Fahnen in Regenbogenfarben zeigen, dass solche Äußerungen nicht toleriert werden. Behrens, der sich zudem mit einem homophoben Kommentar geäußert hatte, muss eine Geldstrafe zahlen und sieht sich der Kritik der Fans ausgesetzt. NDR berichtet, dass eine Gründerin des Fan-Netzwerks „St. Pauli Pride“ deutlich macht: „Behrens soll sehen, was er nicht mag.“

Diese Vorfälle sind nicht nur Einzelfälle, sondern Teil eines größeren Problems im Fußball. LGBTIQ-Personen sind in vielen Vereinen und auch auf den Rängen oft unsichtbar. Homophobe und sexistische Vorfälle erhalten nicht die nötige Aufmerksamkeit und werden selten sanktioniert. Wie der Tagesspiegel berichtet, gibt es einen klaren Bedarf an einem Bekenntnis der Vereine gegen Homophobie und geschlechtssensible Bildungsarbeit.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Im Rahmen der Football Pride Week wurden bereits Workshops und Diskussionsrunden veranstaltet, die sich dem Austausch und der Vernetzung zwischen Fans, Vereinen und Verbänden widmen sollten. Trotz positiver Ansätze bleibt der Eindruck, dass viele Vereine das Thema Homophobie nicht ernst genug nehmen, aus Angst vor möglichen Reaktionen. Einzig zehn Vereine entsandten Vertreter zur besagten Fußball-Pride-Woche, und die FIFA ließ es bei einem Videogrußwort bewenden. Sogar im deutschen Fußball gibt es eine Initiative „Fußballfans gegen Homophobie“, die sich seit fünf Jahren bemüht, das Bewusstsein zu schärfen. Ihr Banner mit zwei küssenden Männern ist mittlerweile in 150 Stadien bundesweit und in weiteren 100 weltweit zu sehen.

Ob die Proteste und Aktionen der Fans Wirkung zeigen werden? Das bleibt abzuwarten. Doch eines steht fest: Die Stimmen, die sich für eine tolerante und respektvolle Fußballkultur einsetzen, werden immer lauter und sind überfällig.