Der 17. November 2025 war ein bedeutender Tag für die Schülerinnen und Schüler der Regionalen Schule mit Grundschule in Gingst. Die 19. Berufsmesse unter dem Motto „Mit dem Bürgermeister auf die Baustelle“ öffnete ihre Pforten und zog über 290 junge Besucher an. Bürgermeister Nico Last selbst führte die Jugendlichen durch den Rohbau des neuen Schulgebäudes, das mit modernen Klassenräumen, Lerninseln, Lehrerzimmern und Förderräumen aufwartet. Schulleiter André Farin unterstrich die Wichtigkeit dieser Baustelle, die nicht nur Infrastruktur für die Zukunft schafft, sondern auch eine Vielzahl an beruflichen Perspektiven eröffnet.
Bei der Veranstaltung stellten 30 Unternehmen aus Rügen und dem Festland ihre Ausbildungsangebote vor und boten den jungen Menschen die Möglichkeit, sich direkt bei den Betrieben zu informieren. „Die Organisation der Messe und die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler waren hervorragend“, lobte Yvonne Köhler, Karriereberaterin bei der Bundeswehr. Die Jugendlichen nutzten klassische Messemappen sowie Fragebögen, um gezielt Kontakt zu den Betrieben zu suchen.
Schwerpunkt auf Handwerk
Der Schwerpunkt der Berufsmesse lag deutlich auf Handwerksberufen, einem Sektor, der laut Holger Lobitz von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern vor ernsten Herausforderungen steht. Der Fachkräftemangel ist vor allem für die Region spürbar, da fast ein Viertel der Aussteller aus dem handwerklichen Bereich stammte. Diese Thematik ist nicht nur lokal relevant, sondern hat auch bundesweite Dimensionen.
Der Berufbildungsbericht 2025 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt, dass der Ausbildungsmarkt in Deutschland stagnierte. So wurden 2024 rund 135.000 Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen, was lediglich einem kleinen Plus von etwa 300 Verträgen im Vergleich zu 2023 entspricht. Gleichzeitig blieben rund 19.000 Stellen im Handwerk unbesetzt, was fast jede fünfte offene Stelle betrifft. In einem Land, in dem die duale Ausbildung eine entscheidende Bedeutung hat, ist das eine alarmierende Entwicklung.
Optimismus für die Zukunft
Trotz der Herausforderungen ist die Optimismus spürbar. Ein Viertel aller abgeschlossenen Ausbildungsberichte war im Handwerk zu finden, und die Messe in Gingst könnte der erste Schritt sein, um das Interesse junger Menschen für handwerkliche Berufe zu wecken. „Das Handwerk bleibt der zweitgrößte Ausbildungsbereich“, so die Bilanz aus dem Bericht. Umso wichtiger war die Ausstellung an der Regionalen Schule, wo auch Vorträge, Videos und praktische Vorführungen stattfanden, um den Schülerinnen und Schülern Handwerksberufe näherzubringen.
Das Feedback der Unternehmen zur Messe fiel positiv aus, und das Engagement der Schüler wird sich sicherlich auch in den Unterricht der Fächer Deutsch sowie Arbeit-Wirtschaft-Technik niederschlagen. Traditionelle Berufe, wie etwa die des Dachdeckers, fanden reges Interesse bei den jungen Messebesuchern, was Dachdeckermeister Christian Stöhr motiviert, auch an zukünftigen Messen teilzunehmen.
Die breite Palette der Ausbildungsberufe, die präsentiert wurden, zeigt, dass trotz der gegenwärtigen Situation im Handwerk Möglichkeiten für die Zukunft bestehen. Aktive Initiativen wie die Berufsmesse in Gingst sind wertvolle Schritte, um die nächste Generation für praktische Berufe zu gewinnen und neuen Wind in die oft stagnierenden Ausbildungszahlen zu bringen. Gerade in einem digitalen Zeitalter, in dem Plattformen wie Kahoot! ihre Holzwege in der Bildung einschlagen, bleibt es spannend zu sehen, welche innovativen Ansätze das Handwerk zur Rekrutierung junger Talente entwickeln wird.