Was tut sich in der Region rund um die Ostsee-Havel-Leitung? Nach einem langen Dasein, das seinen Ursprung in der DDR-Zeit hat, steht der Neubau der Bedeutung dieser Infrastruktur im Licht der Energiewende im Fokus. Einst als Übertragungsleitung für Strom aus Kernkraftwerken nach Berlin gebaut, hat die alte Trasse ihren Dienst aufgrund von Alterungserscheinungen und steigenden Anforderungen nun endgültig erfüllt. Wie Nordkurier berichtet, wird eine neue Leitung errichtet, die grünen Strom transportieren soll und Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren kräftig beschäftigen wird.
Der Neubau ist nicht nur überfällig, sondern auch für die Energiewende unerlässlich. Die alte Leitung kann mit einem steigenden Stromverbrauch und der zunehmenden Einspeisung erneuerbarer Energien aus dem Norden nicht mehr mithalten. Deshalb wird die neue Leitung in der Lage sein, eine Übertragungsfähigkeit von 4.000 Ampere zu erreichen, anstelle der bisherigen 2.520 Ampere. Dieses Vorhaben steht auch im Einklang mit den Erfordernissen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die für einen stabilen Netzbetrieb und den zügigen Ausbau erneuerbarer Energien dringend notwendig sind, wie die Webseite des bundeswirtschaftlichen Ministeriums verdeutlicht.
Der Trassenverlauf
Die geplante Trasse wird von Lubmin über die Peene bei Jarmen zum Umspannwerk bei Iven verlaufen, weiter über die A20 zu den Umspannwerken Altentreptow-Nord und Altentreptow-Süd, bis nach Berlin. So beschreibt es 50Hertz. Ein Großteil der neuen Leitung wird entlang der bestehenden Trasse gebaut, die somit demontiert wird. Dadurch können künftig auch Siedlungen, die bisher von der alten Leitung betroffen waren, besser geschützt werden.
Geplant ist der Bau in mehreren Abschnitten: Der erste Teil von Lubmin bis Iven hat seinen Baubeginn Ende 2028 vorgesehen, gefolgt vom Abschnitt bis Altentreptow-Süd, für den 2029 der Startschuss erfolgen soll. Insgesamt wird der gesamte Neubau bis 2037 abgeschlossen sein. Zudem wird in der Gemeinde Iven ein neues Umspannwerk errichtet, das beide Projekte, die Ostsee-Havel-Leitung und die Netzverstärkung Pasewalk – Güstrow, zusammenführen wird.
Wirtschaftliche Aspekte und Entschädigungen
Ein wichtiger Punkt in der Realisierung des Projekts sind die Grundstückseigentümer, die von 50Hertz mehrere Hundert Anfragen zur Zustimmung zur Mitnutzung ihrer Flächen erhalten werden. Im Rahmen des Bauprojekts wird diesen eine einmalige Entschädigung zuteil, die sich beispielsweise für eine Fläche von 4.500 Quadratmetern auf über 4.000 Euro belaufen kann. Dieses Vorgehen ist besonders bedeutend, da landwirtschaftliche Flächen tangiert werden und die Eigentümer eine faire Entschädigung erhalten sollen.
Der umfangreiche Ausbau wird nicht nur durch den immer größer werdenden Bedarf an Strom, sondern auch durch die Zielsetzungen der Bundesregierung vorangetrieben, die eine „Roadmap Systemstabilität“ entwickelt hat, um einen sicheren Betrieb der Stromnetze mit 100 % erneuerbaren Energien zu gewährleisten.
In der Region tut sich also einiges: Die Infrastruktur wird modernisiert, die Energiewende in vollem Gange und Mecklenburg-Vorpommern steht vor einem bedeutenden Umbruch in der Energieversorgung. Interessierte können sich über die Fortschritte des Projekts auf der Projektwebsite von 50Hertz informieren oder per Newsletter sowie über ein kostenfreies Bürgertelefon, das die Informationsversorgung für alle betroffenen Anwohner sicherstellen soll, auf dem Laufenden gehalten werden.