Ehemalige DDR-Arbeiterinnen erzählen: Stolz & Eigensinn im Kino!
Am 26. November zeigt das Fabrik.Kino in Neustrelitz den Dokumentarfilm „Stolz & Eigensinn“, gefolgt von einem Gespräch mit Regisseur Gerd Kroske. Der Film beleuchtet die Erfahrungen von Frauen in der DDR-Schwerindustrie und deren Schicksale nach der Wende.

Ehemalige DDR-Arbeiterinnen erzählen: Stolz & Eigensinn im Kino!
Am 26. November um 19.30 Uhr feiert das Fabrik.Kino in der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz das Ende der Filmreihe „35 Jahre nach dem Beitritt“ mit der bevorstehenden Aufführung des beliebten Dokumentarfilms „Stolz & Eigensinn“ von Gerd Kroske. Der Regisseur, geboren 1958 in Dessau, wird nach der Vorführung für ein Gespräch zur Verfügung stehen, um mit dem Publikum über die eindrucksvollen Geschichten zu sprechen, die in seinem Film erzählt werden.
In „Stolz & Eigensinn“ geht es um das Leben von Frauen, die in der DDR in der Schwerindustrie gearbeitet haben. Die Dokumentation beleuchtet nicht nur deren Alltag, sondern auch den schmerzlichen Arbeitsplatzverlust nach der Wende. Viele dieser Betriebe wurden entweder geschlossen oder saniert, was für zahlreiche Arbeiterinnen das Ende ihrer beruflichen Laufbahn bedeutete. Die Zeuginnen der damaligen Zeit wurden von Kroske aus alten Interviews aus dem Jahr 1994 wiedergefunden, was die authentische Rückschau auf ihre Erfahrungen besonders wertvoll macht.
Frauen in der Schwerindustrie
Die Frauen, die in Kroskes Film zu Wort kommen, erzählen ohne Beschönigungen von ihren Erlebnissen. Sie haben Berufe wie Brückenfahrerinnen im Braunkohleabbau oder Chemikerinnen in großen Industriebetrieben ausgeübt und wurden dabei mit den Männern gleichgestellt, was in der DDR eine seltene Form der Gleichberechtigung darstellt. Ihre Taffheit und der unsentimentale Blick auf ihre Vergangenheit geben dem Film eine besondere Tiefe. „Wir haben nichts anderes gewollt und sind stolz auf das, was wir erreicht haben“, so äußern sich viele von ihnen in Interviews.
Unter den sieben Frauen, die der Zuschauer kennengelernt, befinden sich Silke Butzlaff, Steffi Gänkler und Bärbel Grätz, die ihre originalen Erfahrungen teilen und sichtbar stolz auf ihre gesundheitlichen und beruflichen Beiträge zur Gesellschaft sind. Gerd Kroske hat es geschafft, zehn von diesen Frauen erneut vor die Kamera zu holen, um nicht nur ihren Weg, sondern auch deren starkes Gefühl von Identität und die Herausforderungen in den 1990er Jahren zu beleuchten, als viele von ihnen aus ihren Arbeitsplätzen verdrängt wurden.
Einblick in die Produktionshintergründe
Der Film lebt nicht nur von den bewegenden Geschichten der Frauen, sondern auch von der hohen Qualität der Produktion. Kroske hat ein talentiertes Team um sich versammelt, das sich um alles, von der Kamera bis hin zur Musik, eigenhändig kümmerte. Zu den Mitwirkenden gehören unter anderem die Kameraleute Anne Misselwitz und Jakobine Motz sowie Musikkomponisten wie Klaus Janek und Michael Thieke. Ihre professionellen Beiträge verleihen dem Dokumentarfilm einen besonderen künstlerischen Rahmen.
„Stolz & Eigensinn“ ist mehr als nur ein Film; er bietet eine kritische Reflexion über die Vergangenheit und die Geschichte der DDR. Gerd Kroske bringt die ungeschminkte Realität auf die Leinwand und lässt die Stimmen von Frauen zu Wort kommen, die in der kapitalistischen Marktwirtschaft oft nicht mehr Gehör finden. Der Film führt uns vor Augen, dass die Verdrängung aus der Arbeitswelt nicht nur einen Verlust an Souveränität, sondern auch an wirtschaftlicher Unabhängigkeit mit sich brachte. Die Frage des Gleichgewichts zwischen den Geschlechtern in der Arbeitswelt bleibt bis heute aktuell.
Wer mehr über die Hintergründe und Entstehung des Films erfahren möchte, kann sich auf der Wiki-Seite des Films stolzundeigensinn.de umsehen oder freitag.de besuchen. Der Abend im Fabrik.Kino verspricht nicht nur ein Filmereignis zu werden, sondern auch eine Bereicherung des kulturellen Austausches über die Themen, die den Osten Deutschlands auch nach 35 Jahren eines vereinigten Deutschlands noch beschäftigen.