Ein besonderer Abend erwartet die Gäste in der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz am 26. November. Im Fabrik.Kino wird der Dokumentarfilm „Stolz & Eigensinn“ von Gerd Kroske aufgeführt, der um 19.30 Uhr beginnt. Dieser fesselnde Film widmet sich der Arbeit von Frauen in den Schwerindustriebetrieben der ehemaligen DDR und beleuchtet deren Schicksale nach der Wende. Die Veranstaltung ist Teil der Filmreihe „35 Jahre nach dem Beitritt“ und bietet im Anschluss an die Vorführung ein Gespräch mit Regisseur Gerd Kroske.

Ein eindrucksvoller Aspekt des Films sind die Interviews mit betroffenen Arbeiterinnen, die vor 30 Jahren aufgenommen wurden. Diese persönlichen Erzählungen werden jetzt mit frischen Kommentaren versehen, die die Erfahrungen und Veränderungen der Frauen nach der Wende reflektieren. Der Dokumentarfilm ist nicht nur ein nostalgischer Rückblick, sondern auch ein starkes Porträt des Stolzes und des Eigensinns der Protagonistinnen, die ihre Unabhängigkeit durch Arbeit gewinnen konnten. Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag und von ehemaligen Industriegebäuden machen die historische Dimension dieser Geschichten greifbar. Strelitzius berichtet, dass Kroske alte Interviews aus dem Archiv des Leipziger Piratensenders KANAL X geborgen hat.

Frauen in der Schwerindustrie

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass viele Frauen in der DDR in der Industrie arbeiteten – ein Umstand, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft an den Rand gedrängt wurde. Die Rolle der Frauen als Traktoristinnen oder als Fachkräfte in der chemischen und mechanischen Industrie ist mittlerweile besser dokumentiert, dennoch wird häufig nur ein Teilaspekt ihrer Realität betrachtet. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung feststellt, waren die Gründe für den Bedarf an weiblicher Arbeitskraft in der DDR vielschichtiger und nicht immer den offiziellen Erzählungen entsprechend.

Die Anfänge der Frauenbeschäftigung in der DDR fielen in eine Zeit, in der eine Million Menschen in den Westen flohen. Dies führte zur Schaffung einer Infrastruktur, die Erwerbstätigkeit und Haushaltsarbeit miteinander verband. Dennoch blieben viele Aufgaben wie die Kindererziehung und die Pflege äterer Angehöriger vorwiegend in der Verantwortung der Frauen. Der Dokumentarfilm schildert sowohl das Engagement der Frauen im Arbeitsleben als auch ihren Widerstand gegen die sozialen Normen der damaligen Zeit.

Ein Stück Zeitgeschichte

„Stolz & Eigensinn“ zeigt nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die Errungenschaften und den Mut der Frauen, sich in einem männerdominierten Umfeld durchzusetzen. Zu den Protagonistinnen zählen Frauen wie Silke Butzlaff, Geräteführerin in Welzow-Süd, und Ulla Nitzsche, Chemikerin in Leuna. Diese Geschichten verleihen dem Film eine besondere Authentizität und einem menschlichen Gesicht, das sich durch dokumentarische Aufnahmen und persönliche Erzählungen entfaltet.

Die Veranstaltung am 26. November wird eine wunderbare Gelegenheit, in die Facetten des Lebens von Frauen im veränderten Deutschland einzutauchen. Es ist ein bedeutender Abschluss der Filmreihe „35 Jahre nach dem Beitritt“, die das langfristige Engagement und den Eigensinn der Frauen in der DDR beleuchtet. Wie könnte man diesen Abend besser ausklingen lassen, als mit einem intensiven Gespräch mit dem Regisseur Gerd Kroske nach der Vorführung? Stolz und Eigensinn erfahren und gleichzeitig die eigene Geschichte reflektieren – das ist ein Ereignis, das man nicht verpassen sollte!