In der Hamburger Speicherstadt geht es am Mittwoch um viel. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) wählt ein neues Präsidium, und dabei wird die bisherige Präsidentin Angela Titzrath, die Ende September ihren Posten bei der Hamburger Hafen und Logistik AG geräumt hat, ausscheiden. Der Verband, der rund 140 Unternehmen als Bundesverband vertritt, wird das Wahlergebnis um 15.30 Uhr bekanntgeben und über die aktuelle Lage der Hafenwirtschaft informieren.

Ein drängendes Thema der Versammlung wird der Sanierungsstau in den deutschen Seehäfen sein. Vor dem Hintergrund, dass die Infrastruktur in einem bedenklichen Zustand ist und ein Investitionsbedarf von insgesamt 15 Milliarden Euro besteht, wird insbesondere die Finanzierung von Maßnahmen zur Förderung von Klimaneutralität und der infrastrukturellen Verteidigung diskutiert. Der Bund plant, etwa 1,35 Milliarden Euro in Bremerhaven zu investieren, um militärisch nutzbare Infrastruktur zu schaffen, was speziell im Kontext eines steigenden Sicherheitsbedürfnisses von Bedeutung ist.

Dringende Maßnahmen für die Hafenwirtschaft

Angela Titzrath hat in ihrer Rolle als Präsidentin immer wieder die Notwendigkeit einer ehrgeizigen deutschen Hafenpolitik betont. So stagnierte der Umschlag in den deutschen Seehäfen im ersten Halbjahr 2024 aufgrund einer schwächelnden Konjunktur, während der Wettbewerb mit europäischen Konkurrenten stark bleibt. Titzrath warnte zuletzt vor einem drohenden Rückfall in den Protektionismus und hob die Bedeutung des freien Handels hervor. Sie fordert den Abbau von Hemmnissen sowie die Förderung neuer Freihandelsabkommen, insbesondere mit Ländern wie Indien.

Zur Verbesserung der Situation in den Seehäfen verlangt Titzrath eine jährliche Grundfinanzierung von 500 Millionen Euro vom Bund an die Länder für die Sanierung. Ihre Forderungen sind auch vor dem Hintergrund des hohen Investitionsbedarfs für Infrastruktur, Anbindung und Energiewende zu verstehen. So ist beispielsweise der Neubau der Köhlbrandbrücke in Hamburg beschlossen worden, der insgesamt etwa 4 Milliarden Euro kosten soll und bis 2040 abgeschlossen sein soll.

Finanzierungsprobleme und Investitionsbedarf

Aktuell stellt der Bund jährlich lediglich rund 38 Millionen Euro zur Verfügung, was nach Meinung vieler Kritiker viel zu gering ist. Melanie Leonhard, die Hamburger Wirtschaftssenatorin, äußerte sich besorgt über die mangelnde Bundesbeteiligung und verweist auf die jährlich 330 Millionen Euro, die für die Fahrrinne zum Hamburger Hafen anfallen. Überdies kostet die Modernisierung der Hafeninfrastruktur immense Summen: Ein Kilometer Kaimauer kann bis zu 40 Millionen Euro kosten.

Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Bedrohung durch Cyberangriffe auf die deutschen Seehäfen. In Hamburg haben sich die Fälle mehr als verzehnfacht. Hafenexperten wie Jan Ninnemann fordern daher mehr Bundesmittel für die Hafenentwicklung, um deren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber großen europäischen Häfen wie Rotterdam und Antwerpen sicherzustellen.

Wie die politische Landschaft Deutschlands auf die Herausforderungen reagiert und ob die neuen Vertreter im ZDS die notwendigen Impulse setzen können, bleibt abzuwarten. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem Fokus auf Klimaneutralität stehen die Seehäfen vor einem gewaltigen Umbruch, wo gutes Geschick und kluges Management gefragt sind.