Schwerin ist in aller Munde – und das nicht nur wegen der malerischen Ausblicke auf die Seen. Die Stadt ist laut neuesten Erhebungen die erste Adresse für Alkoholabhängigkeit in Deutschland und weist eine Betroffenheit von 86 Prozent über dem Bundesschnitt auf. Ein besorgniserregender Zustand, den auch der Landesgeschäftsführer der Barmer, Henning Kutzbach, bestätigen muss. Er wird in Zusammenarbeit mit Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV demnächst detaillierte regionale Daten zur Alkoholsucht vorstellen. Diese sind in den Morbiditäts- und Sozialatlas eingebettet und sollen ein klareres Bild der Situation in Mecklenburg-Vorpommern geben. Der Nordkurier berichtet, dass Ministerin Stefanie Drese bereits Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Sucht eingeplant hat.
Im Rahmen dieser Initiative sollen 50 neue Suchtpräventionskräfte ausgebildet werden. Und das Interesse ist überwältigend: Mehr Bewerber als Plätze zeigen, dass hier ein echtes Bedürfnis nach Veränderung besteht. Die Ausbildung, die kostenfrei dank einer Förderung des Gesundheitsministeriums in Höhe von 280.000 Euro angeboten wird, hat bereits begonnen und wird in mehreren Teilen angeboten. Hierbei richtet sich das Programm an Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen wie Schulsozialarbeit und Suchtberatung.
Die Hintergründe der Alkoholabhängigkeit
Alkohol ist nach wie vor die weit verbreitetste psychoaktive Substanz weltweit, wie auch eine umfassende Analyse auf pmc.ncbi.nlm.nih.gov zeigt. In Deutschland wird ein Durchschnitt von 11,8 Litern Alkohol pro Kopf und Jahr konsumiert. Vor allem in der alternden Gesellschaft ist Alkohol Teil des Alltags. Auch die jüngeren Generationen sind betroffen, wobei Rauschtrinken zunehmend beliebt wird. Die Schere bezüglich des Konsums geht jedoch auseinander: Während Männer durchschnittlich mehr konsumieren als Frauen, zeigt der Trend bei Jugendlichen eine fallende Tendenz – abgesehen von den besonders gefährdeten Gruppen, die dem übermäßigen Trinken frönen.
Leider bringt übermäßiger Alkoholkonsum nicht nur das eigene Leben in Gefahr: Fast 10 Prozent aller Todesfälle weltweit in der Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren sind darauf zurückzuführen. Langfristige gesundheitliche Risiken sind unter anderem Krebserkrankungen sowie Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das aktuell diskutierte Gesundheitsziel in Deutschland ist klar: Der Alkoholkonsum soll reduziert werden, was durch frühzeitige und umfassende Prävention unterstützt werden kann.
Durch Prävention in die Zukunft
Die Probleme, die durch Alkoholabhängigkeit entstehen, sind nicht nur gesundheitlicher Natur; sie verursachen erhebliche soziale und volkswirtschaftliche Probleme. Laut einer Untersuchung des Deutschen Suchthilfekommissariats hatten im Jahr 2024 bereits 3,9 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren eine alkoholbezogene Störung. Darunter fallen 1,7 Millionen mit Alkoholmissbrauch und 2,2 Millionen mit Alkoholabhängigkeit. Zudem konsumierten 8,6 Millionen riskante Mengen und über 9 Millionen praktizierten episodisches Rauschtrinken.
Ein Lichtblick ist der Trend der rückläufigen Zahlen des Alkoholkonsums in Deutschland in den letzten Jahren. Dennoch bleibt die Situation ernst, und es gibt keinen sicheren Alkoholkonsum, das sollte jedem klar sein. Die Präventionsmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern sind daher ein Schritt in die richtige Richtung, um den Grassstörungen entgegenzutreten und eine soberere Gesellschaft zu fördern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Maßnahmen fruchten können und ob die hohe Suchtverbreitung endlich eingedämmt werden kann.