Stichwahl in Chile: Jara gegen Kast – wer wird Präsident?
Präsidentenwahl in Chile am 14. Dezember: Jeannette Jara gegen José Antonio Kast. Themen sind Sicherheit, Migration und soziale Ungleichheit.

Stichwahl in Chile: Jara gegen Kast – wer wird Präsident?
In Chile brodelt es wieder, und die Präsidentenwahl könnte zu einem Wendepunkt in der politischen Landschaft des Landes werden. Am 14. Dezember stehen sich im entscheidenden Stichwahlkampf Jeannette Jara und José Antonio Kast gegenüber. Jara, die als Mitglied der Kommunistischen Partei und ehemalige Arbeitsministerin in der ersten Runde nahezu 27 Prozent der Stimmen sicherte, hat sich klar in die Ecke der sozialen Reformen positioniert. Kast, ein ultrakonservativer Politiker, folgte dicht mit gut 24 Prozent. Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass der Wettkampf spannend bleibt, da keiner der Kandidaten die erforderlichen 50 Prozent für einen sofortigen Sieg erreichen konnte. Das berichtet Nordkurier.
Jara strebt an, die wirtschaftliche Ungleichheit zu bekämpfen und will den Wohlstand für alle zugänglich machen. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit über 8,5 Prozent liegt und viele Chile als „Land der Kontraste“ wahrnehmen, wird ihre Vision von einem staatlich geförderten Einkommen von rund 800 Dollar durch Subventionen und Mindestlohnsteigerungen entscheidend sein. Diese Punkte hat sie bereits im Wahlkampf betont, während die Themen Sicherheit und Migration in der politischen Debatte an Bedeutung gewonnen haben.
Die politischen Positionen im Fokus
Kast hingegen setzt stark auf Law-and-Order-Politik. Er plant, Dokumentationsmaßnahmen für Migranten zu verschärfen und fordert eine harte Linie gegen Ausländer ohne gültige Papiere. In Chile leben schätzungsweise 330.000 Migranten ohne Papiere, zu einem großen Teil aus Venezuela, was für viele Chilenos als Bedrohung empfunden wird. Kast ist bekannt dafür, die Stimmen der unterlegenen rechten Kandidaten mobilisieren zu wollen und hat bereits Unterstützung von Johannes Kaiser und Evelyn Matthei erhalten, die für einen Dialog und eine verantwortungsvolle Demokratie plädierten, wie AP News berichtet.
Mit 60 Prozent der Wählerstimmen, die Umfragen zufolge für Kandidaten aus dem rechten Lager offen sind, sieht sich Kast in einer starken Position. Doch trotz dieser Vorteile könnte die Welle unzufriedener Wähler, die sich nach Verändern und einer gerechteren Gesellschaft sehnen, auch Jara zum Sieg verhelfen.
Zukunftsausblick und gesellschaftliche Herausforderungen
Die Wahl findet in einem Umfeld steigender Unzufriedenheit in Chile statt. Sicherheitsbedenken, Drogenkriminalität und die Wahrnehmung einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich sind Themen, die viele Wähler umtreiben. Jara hat sich in der Vergangenheit an der Einführung wichtiger sozialpolitischer Maßnahmen beteiligt, darunter die 40-Stunden-Woche, doch die Umsetzung des gescheiterten Verfassungsprozesses nach den Protesten von 2019 und 2020 wirft Fragen auf. Die aktuelle Regierung von Gabriel Boric, der nicht erneut antreten darf, stand ebenfalls unter Beschuss, weil er die Hoffnungen auf tiefgreifende soziale Veränderungen nicht erfüllt hat, wie die Tagesschau festhält.
Jetzt kommt es darauf an, wie stark die beiden Kandidaten auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Wähler eingehen und ob sie ihre Programme entsprechend anpassen können. Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein, um den künftigen Kurs Chiles zu bestimmen.