Zwangsprostitution in Stralsund: Angeklagter gesteht Gewalt gegen Freundin

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Am Landgericht Stralsund wird ein 39-Jähriger angeklagt, seine Freundin zur Prostitution gezwungen und misshandelt zu haben.

Am Landgericht Stralsund wird ein 39-Jähriger angeklagt, seine Freundin zur Prostitution gezwungen und misshandelt zu haben.
Am Landgericht Stralsund wird ein 39-Jähriger angeklagt, seine Freundin zur Prostitution gezwungen und misshandelt zu haben.

Zwangsprostitution in Stralsund: Angeklagter gesteht Gewalt gegen Freundin

Im Landgericht Stralsund wird derzeit ein schockierender Fall von Zwangsprostitution verhandelt. Ein 39-jähriger Mann steht wegen des Vorwurfs, seine Freundin in die Prostitution gedrängt zu haben, vor Gericht. Laut mopo.de hat der Angeklagte ein teilweise Geständnis abgelegt, in dem er zugibt, seine Freundin mehrfach geschlagen und sie gegen ihren Willen zur Prostitution gezwungen zu haben.

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten sind schwerwiegend: Er soll die Geschädigte über einen Zeitraum von vier Jahren, von Mitte 2021 bis Ende Juni 2025, in ein ausbeuterisches System gezwungen haben. Dabei habe er unter anderem Verabredungen mit Freiern über das Internet getroffen und zuletzt die Hälfte des Geldes, das die Frau verdiente, einbehalten. Die Vorsitzende Richterin verwies während der Verhandlung auf Aufnahmen von blauen Flecken an der Frau, die die Gewaltanwendung des Angeklagten dokumentieren.

Verstrickung in Gewalt und Kontrolle

Die Umstände, unter denen die Geschädigte zur Prostitution gedrängt wurde, sind alarmierend. Ihre Familie hat von Übergriffen und ständigen Bedrohungen durch den Angeklagten berichtet. So äußerte der Vater der Geschädigten, dieser sei ein “Pascha”, der die Kontrolle über ihre Tochter übernommen habe. Zu Beginn bekam die Frau es mit fünf bis sechs Freiern pro Tag zu tun, was die Schilderungen über das ausbeuterische Verhältnis des Paares untermauert.

Ein weiterer Aspekt ist die Unsicherheit, mit der der Angeklagte zu kämpfen hat. Er sprach von körperlichen Problemen, nachdem er 2023 einen Schlaganfall erlitt. Diese gesundheitlichen Beschwerden könnten seine Aussage und die kommenden Verhandlungstermine beeinflussen, da die Geschädigte als Nebenklägerin beteiligt ist und ihre Aussage für einen späteren Termin anberaumt wurde.

Rechtlicher Kontext der Prostitution

Um zu verstehen, in welchem rechtlichen Rahmen diese Verhandlungen stattfinden, lohnt ein Blick auf das Prostituiertenschutzgesetz. Dieses Gesetz, das 2017 in Kraft trat, zielt darauf ab, die Rechte und Arbeitsbedingungen von Personen in der Prostitution zu stärken und sie vor Zwangsprostitution zu schützen. Es verpflichtet Prostituierte zur Anmeldung und zur Teilnahme an gesundheitlichen Beratungen, um ihre Rechte zu wahren und Missbrauch zu verhindern.

Die Statistiken zeigen, dass zum Ende des Jahres 2023 mehr als 30.000 Prostituierte in Deutschland registriert sind, wobei ein erheblicher Anteil der Frauen keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Statistische Daten sind zwar begrenzt, jedoch wird deutlich, dass der Großteil der in der Branche tätigen Personen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit häufig Gefahren ausgesetzt ist.

Der fortlaufende Prozess

Die Verhandlungen im Fall des 39-Jährigen werden voraussichtlich bis Weihnachten weitere Termine umfassen. Der Gerichtssprecher hat angekündigt, dass eine Verständigung über eine mögliche Strafzumessung in Höhe von drei Jahren und zehn Monaten bis vier Jahren und sechs Monaten in Aussicht steht, sofern der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt. Bedeutsam sind auch die zahlreichen Vorwürfe, die dem Angeklagten im Rahmen eines verwandten Verfahrens gemacht wurden, unter anderem Zwangsprostitution und Zuhälterei in mehreren Fällen.

Zusammenfassend bleibt abzuwarten, wie sich die rechtlichen und persönlichen Entwicklungen in dieser beunruhigenden Angelegenheit entfalten werden. Das Gericht hat die Aufgabe, nicht nur Gerechtigkeit für die Geschädigte zu suchen, sondern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Personen in der Prostitution zu beleuchten.