In Wismar lebt die 56-jährige Abeda Dodyal, die vor drei Jahren aus ihrer Heimat Afghanistan hierher zog. In Kabul, der Hauptstadt ihres Heimatlandes, arbeitete sie über 30 Jahre lang als Lehrerin. Ihre Leidenschaft für das Lesen und Schreiben zieht sich durch ihr ganzes Leben. Als Schülerin verschlang sie Bücher, darunter Werke von afghanischen und internationalen Autoren wie William Shakespeare, Victor Hugo, Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski. Heute, während sie die deutsche Sprache lernt, schreibt sie selbst Geschichten und bringt ihre Gedanken und Erlebnisse zu Papier.
Die Mutter von zwei Töchtern und drei Söhnen hat in Wismar nicht nur neue Möglichkeiten gefunden, sondern auch viele nette Menschen kennengelernt. Sie beteiligt sich aktiv an Lese- und Schreibaktivitäten in der Stadt und hat ihre Geschichten bereits an verschiedenen Orten vorgelesen, unter anderem in der Wismarer Bibliothek, den „Lesegärten“, beim Zonta-Club und im Schloss Bröllin. Diese Engagements sind für sie nicht nur eine Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern auch eine Gelegenheit, sich mit der deutschen Kultur auseinanderzusetzen.
Integration durch Bildung und Unterstützung
Die Herausforderungen, die Dodyal als Zuwanderin erlebt, sind nicht ungewöhnlich. Sie hat jedoch in Wismar gute medizinische Versorgung erhalten, insbesondere nach einer Krebserkrankung, und wünscht sich, weiterhin als Lehrerin zu arbeiten. Diese Perspektive ist für viele Menschen, die neu in Deutschland sind, von großer Bedeutung. Der Interkultur Verlag beispielsweise bietet interkulturelle Ressourcen, die das Lernen und die Integration fördern. Hierzu zählen unter anderem Wörterbücher, Lernmaterialien für Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Zweitsprache (DaZ), sowie Willkommenshefte und Grundwortschätze in über 12 Sprachen.
Das Ziel dieser Materialien ist es, die sprachliche, schulische und berufliche Integration zu unterstützen. Besonders wichtig sind dabei die Angebote für Menschen, die neu in Deutschland sind, um ihnen den Zugang zu Bildung und Arbeit zu erleichtern. Der Verlag plant sogar, den Fokus auf Paschtu und die afghanische Sprachkultur zu legen, was für Zuwanderer aus Afghanistan von besonderem Interesse sein dürfte.
Wichtige Schritte zur Integration
Um die Integration in die deutsche Gesellschaft zu fördern, spielen Integrationskurse eine entscheidende Rolle. Diese bestehen aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs, die bundesweit angeboten werden. Es gibt spezielle Angebote für Frauen, Eltern und Jugendliche, die dabei helfen, die sprachlichen und gesellschaftlichen Kompetenzen zu stärken. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) konzipiert und führt Programme durch, die nicht nur die sprachliche Integration, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Migranten fördern.
Die Förderung von Projekten, die Migrantenorganisationen einbeziehen und die Aufnahmegesellschaft sensibilisieren, ist ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Prozess. Mit Hilfe von Fördermitteln des Bundesministeriums des Innern und anderen Institutionen wird versucht, die Integration in Schule, Beruf und Alltag zu verbessern. Regionalkoordinatoren arbeiten dabei eng mit verschiedenen Trägern zusammen, um die bestmögliche Unterstützung zu bieten.
Dodyals Engagement und die Unterstützung, die sie in Wismar erhält, sind beispielhaft für den Weg, den viele Zuwanderer in Deutschland beschreiten. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Bildung, Gemeinschaft und die richtige Unterstützung dazu beitragen können, eine neue Heimat zu finden und die eigene Stimme zu erheben.