Schülerprotest gegen Wehrpflicht: Wismarer Gymnasiast im Klassenzimmer aktiv!
Am 5.12.2023 protestiert der 17-jährige Pascal aus Wismar gegen die Wehrpflicht, während seine Schule seine Teilnahme verbietet.

Schülerprotest gegen Wehrpflicht: Wismarer Gymnasiast im Klassenzimmer aktiv!
In ganz Deutschland haben Schülerinnen und Schüler am 5. Dezember 2023 gegen die Wiederherstellung der Wehrpflicht protestiert. Unter ihnen ist auch der 17-jährige Pascal Collin aus Tüzen, nahe Wismar. Der junge Mann wollte an einem Streik teilnehmen, wurde jedoch von seinem Gymnasium in Neukloster davon abgehalten. Laut der Schulleitung hätte seine Abwesenheit als unentschuldigt gezählt, was sich negativ auf seine Abiturnote ausgewirkt hätte. Das hat Pascals Vater, Yann-Christoph Collin, veranlasst, die Entscheidung der Schule zu kritisieren. Er wies darauf hin, dass Teilnehmer an Fridays-for-Future-Aktionen als entschuldigt galten, während der aktuelle Protest keine Anerkennung fand.
Pascal selber zeigt sich besorgt über die neuen Regelungen zur Wehrpflicht, die ab 2026 greifen sollen. Diese werden auch seine jüngeren Brüder betreffen, die 2012 und 2015 geboren wurden. Besonders die bevorstehende Musterung empfindet er als potenziellen Anreiz zur Kriegsförderung. Deshalb hat er sich entschieden, physisch im Unterricht präsent zu sein, jedoch nicht aktiv daran teilzunehmen. Auf seinem Tisch zeigt er mit einem Schild auf seinen Protest hin und hat Informationsmaterial mitgebracht, das bei seinen Mitschülern auf Interesse stößt. Die Mehrheit der Lehrkräfte hat seinen Protest toleriert, einige äußerten jedoch Bedenken.
Neue Wehrpflicht und Musterung
Die Reform der Wehrpflicht, die kürzlich vom Bundestag beschlossen wurde, sieht eine verpflichtende Musterung für alle Männer ab dem Geburtsjahr 2008 vor. Ab Mitte Januar 2026 sollen die ersten Fragebögen zur Erfassung von persönlichen Angaben, Gesundheitszustand und Bereitschaft zum Wehrdienst versendet werden. Ab dem 1. Januar 2026 wird die flächendeckende Musterung aktiviert, in die 24 Musterungszentren integriert werden, deren Standorte jedoch noch nicht festgelegt sind. Die Musterung selbst bleibt im Kern unverändert: Sie umfasst eine ärztliche Untersuchung und eine Befragung, um die Wehrdienstfähigkeit zu bestätigen. Ziel der Bundesregierung ist es, die Bundeswehr auf mindestens 260.000 aktive Mitglieder und 200.000 Reservisten aufzustocken.
Obwohl die neuen Regeln ab 2026 in Kraft treten, bleibt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bestehen. Freiwillige Wehrdienstleistende können sich weiterhin um einen Platz bewerben und erhalten dafür eine monatliche Entlohnung von rund 2.600 Euro brutto, sowie Zuschüsse für den Autoführerschein. Kritiker, wie die Grünen-Verteidigungsexpertin Nanni, stellen jedoch in Frage, ob dies der richtige Weg ist, um die Bundeswehr mit den nötigen Kräften auszustatten. Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Gärtner, fordert stattdessen eine umfassende Bildungs- und Gesundheitsoffensive, um die Bedürfnisse der jungen Menschen zu adressieren.
Kritik an den neuen Regelungen
Bisher hat die Wehrpflicht in Deutschland eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 2011 wurde sie ausgesetzt, bleibt jedoch weiterhin im Grundgesetz verankert und kann jederzeit mit einfacher Mehrheit im Bundestag wieder in Kraft gesetzt werden. Trotz breiter Diskussionen gibt es allerdings noch keinen Konsens darüber, ob Frauen in die Wehrpflicht einbezogen werden sollen. Der Bundesverteidigungsminister und andere politische Vertreter versichern, dass es sich bei den Neuerungen lediglich um eine Erfassung handelt, die auch die Motivation und Eignung für den Wehrdienst abklopfen soll.
Die Proteste, wie die von Pascal Collin, verdeutlichen, dass viele junge Menschen besorgt sind über die Auswirkungen dieser Reform. Sie fordern, dass ihre Stimmen gehört werden und dass ernsthafte Überlegungen zur Wehrpflicht das Wohl der Jugendlichen im Blick haben.