Prozess um Messerattentat: Wahnsinn oder Terror? Psychologen klären auf!
Der Prozess gegen Abdallah Osman Ahmed, der 2020 in Romans-sur-Isère zwei Menschen tötete, beleuchtet psychische und ideologische Faktoren.

Prozess um Messerattentat: Wahnsinn oder Terror? Psychologen klären auf!
Am 5. November 2025 setzten sich die Richter im Prozess um den Attentat von Romans-sur-Isère mit einer brisanten Mischung aus psychischen Erkrankungen und radikalem Gedankengut auseinander. Dieser Fall, der sich bereits zurück ins Jahr 2020 erstreckt, ist alles andere als einfach. Abdallah Osman Ahmed, ein 31-jähriger Flüchtling aus dem Sudan, wird beschuldigt, am 4. April 2020 während der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen zwei Personen tödlich mit einem Messer angegriffen und vier weitere verletzt zu haben. Seitdem stehen fundamental wichtige Fragen im Raum: War Ahmed geistig gesund oder wurde sein Verhalten durch psychische Erkrankungen und extremistisches Denken beeinflusst? Diese Fragen wurden besonders am achten Verhandlungstag, bei dem Psychologen und Psychiater Stellung nahmen, kritisiert und diskutiert.
Die Schilderungen des Angeklagten über seine Halluzinationen sind erschütternd. Laut Le Monde hörte Ahmed Stimmen, die ihn aufforderten, sich „zu befreien“ und „zu retten“. Er selbst kann sich an den Vorfall jedoch nicht erinnern. Dies wirft die kritische Frage auf, inwieweit sein Urteil fähig oder durch seine psychische Verfassung getrübt war.
Die Expertenmeinungen
Sechs psychiatrische Gutachter wurden zu Rate gezogen, um die Frage der Schuldfähigkeit zu klären. Zwei der Gutachterkollegien stellten eine Einschränkung des Urteilsvermögens fest, während das dritte sogar von einer vollständigen Aufhebung spricht. Daniel Zagury, ein erfahrener Psychiater, erklärte, dass Ahmed an einem „verfolgungswahnartigen Delirium“ leide, das von halluzinatorischen Episoden geprägt sei. Er hob jedoch hervor, dass sowohl psychische als auch ideologische Faktoren zu dem verheerenden Vorfall führten.
Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Prozess ist die Besorgnis, die die Nebenklage äußert. Rechtsanwalt Me Dreyfus befürchtet, dass eine Feststellung der Aufhebung des Urteilsvermögens dazu führen könnte, dass Ahmed nicht ins Gefängnis, sondern in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wird. Diese Möglichkeit wirft nicht nur rechtliche, sondern auch ethische Fragen auf, die nach dem Attentat und während des laufenden Prozesses intensiv diskutiert werden.
Ausblick und Fortsetzung des Prozesses
Der Prozess wird bis zum 7. November 2025 fortgesetzt, wobei die Anwälte der Nebenklage am Donnerstag ihre Plädoyers halten werden. Die anhaltenden Debatten über den Einfluss von psychischen Erkrankungen, das islamistische Motiv und die Frage der Schuld sind nur einige der Punkte, die auch in den kommenden Verhandlungen behandelt werden müssen. Eines ist jedoch gewiss: Die Geschehnisse in Romans-sur-Isère werden weiterhin für Diskussionen und Schockmomente in der Öffentlichkeit sorgen.
Natürlich bleibt abzuwarten, wie das Gericht in dieser komplexen Angelegenheit entscheiden wird. Sentinel-Prozesse wie dieser sind nicht nur eine Herausforderung für die Justiz, sondern auch ein Gradmesser für die Gesellschaft im Umgang mit psychischen Erkrankungen und Extremismus.