In Delmenhorst hat sich ein interprofessionelles Fachberatungsforum etabliert, das Fachkräften, die mit Kindern psychisch kranker Eltern arbeiten, eine wertvolle Plattform bietet. „Delkip“ nennt sich dieses Forum, und es hat sich die Aufgabe gesetzt, Raum für Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze zu schaffen. Ziel ist es, den betroffenen Kindern eine gesunde Zukunft zu ermöglichen, denn diese Kinder, oft als „vergessene Angehörige“ tituliert, verdienen viel mehr Aufmerksamkeit, als sie oft bekommen. Laut delmenhorst.de ist es alarmierend, dass zwar viele psychisch erkrankte Menschen Kinder haben, doch auch diese Kinder ein überdurchschnittlich hohes Risiko haben, selbst psychisch zu erkranken.

Die Herausforderungen für Fachkräfte vor Ort sind nicht zu unterschätzen. Personalmangel, finanzielle Engpässe und steigende Fallzahlen machen die Arbeit oft kompliziert. Tatsächlich haben nicht alle Institutionen die nötige Expertise zur Unterstützung der betroffenen Kinder. „Delkip“ bietet einen Antwort darauf, indem es Fachleuten aus verschiedenen Bereichen – wie psychologischen Beratungsstellen und der Jugendhilfe – die Möglichkeit gibt, anonymisierte Fälle vorzulegen und strukturierte Beratung zu erhalten. Hier wird klar, dass frühzeitige Hilfe entscheidend ist, um langfristige Probleme zu vermeiden und kostspielige Interventionen in der Jugendhilfe zu reduzieren.

Ein Neustart nach der Pandemie

Nach einer langen Pause während der Corona-Pandemie freut sich das Team des Fachdienstes Gesundheit der Stadtverwaltung über die Wiederaufnahme von „Delkip“. Diese Rückkehr erforderte viel Zeit und Energie, da auch beratende Fachleute oft unter ähnlichen Belastungen zu leiden haben wie die Institutionen selbst. „Delkip“ wurde bereits 2011 gegründet, als eine Erhebung ergab, dass über 200 Familien in Delmenhorst von der psychischen Erkrankung eines Elternteils betroffen sind.

Schätzungen von zdf.de zufolge leiden bis zu 30 % der Erwachsenen in Deutschland an psychischen Erkrankungen, wobei die Hälfte von ihnen Kinder hat. Dies bedeutet, dass die Problematik weitreichender ist, als viele denken. Besonders in der frühen Kindheit sind die Auswirkungen elterlicher psychischer Erkrankungen prägend – das Risiko, selbst zu erkranken, erhöht sich deutlich, wenn ein oder mehrere Elternteile betroffen sind. Bei einem depressiven Elternteil liegt das Risiko für Kinder etwa dreimal so hoch für die Entwicklung eigener psychischer Probleme.

Vielfältige Unterstützung und Vernetzung

Die BAG „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ bietet umfassende Informationen und Unterstützung für betroffene Familien. Auf der Website finden sich nützliche Ressourcen für Eltern, Kinder und Fachleute. Geplant sind auch verschiedene Veranstaltungen wie Fortbildungen und Fachtage. Ein Highlight wird die Jahrestagung am 24. April 2026 in Potsdam sein, bei der das Thema „Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern in den Mittelpunkt stellen“ im Fokus stehen wird, so die Informationen von bag-kipe.de.

Ein Bündnis namens KipsFam wurde ins Leben gerufen, um die Sichtbarkeit und Unterstützung für Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien zu fördern. Ein weiteres wichtiges Projekt ist „Hilfen-im-Netz“, welches online Beratung durch Fachkräfte ermöglicht. Gerade in einer Zeit, in der viele Familien unter Isolation leiden, ist dies ein entscheidendes Angebot, das Hilfestellung bieten kann.

Auf diesen Punkt macht auch die Diskussion im Familienausschuss des Deutschen Bundestags aufmerksam, der einen Antrag zur spezifischen Unterstützung von Kindern mit psychisch oder suchtkranken Eltern behandelt. Es ist höchste Zeit, dass diese Kinder die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen, um in einem gesunden Umfeld aufzuwachsen und sich bestmöglich zu entwickeln.