Heute ist der 20.04.2026, und in Niedersachsen stehen die Zeichen auf Sturm im Nahverkehr. Am Montag und Dienstag wird der öffentliche Personennahverkehr von heftigen Einschränkungen betroffen sein, was vor allem die Nutzer in Delmenhorst und Umgebung betrifft. Die Gewerkschaft ver.di hat zu einem Warnstreik aufgerufen, um auf die prekären Arbeitsbedingungen der Beschäftigten aufmerksam zu machen. Die Forderungen sind klar: bessere Arbeitsbedingungen, eine kürzere Wochenarbeitszeit, sowie mehr Urlaubstage und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Doch die Arbeitgeber, vertreten durch den Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV), halten diese Forderungen für nicht finanzierbar.
Besonders betroffen sind die Mitarbeiter des städtischen Busunternehmens Delbus in Delmenhorst. An den genannten Tagen wird es weder Busfahrten in Delmenhorst noch in den umliegenden Städten geben. Auch die Verkehrsbetriebe in Hannover, Osnabrück, Braunschweig und Göttingen werden bestreikt. Diese Maßnahme fällt in eine Zeit, in der die Friedenspflicht in Niedersachsen abgelaufen ist, was die Streiks erst möglich macht. In anderen Bundesländern, wie Bremen, gab es bereits seit Anfang Februar Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr.
Hintergründe der Streiks
Der Warnstreik am 20. und 21. April ist das Resultat eines festgefahrenen Tarifkonflikts, der sich über mehrere Verhandlungsrunden hinzieht. Die dritte Verhandlungsrunde am 17. April 2026 brachte keine Einigung, was die Wogen weiter erhitzt. Ver.di lehnt das Angebot des KAV, das eine Erhöhung der Urlaubstage von 32 auf 33 sowie eine Entgelterhöhung um 2,8 Prozent vorsieht, ab. Die Gewerkschaft sieht dies als unzureichend für einen Tarifabschluss, während der KAV Unverständnis für den Warnstreik äußert und auf die negativen Auswirkungen für die Fahrgäste hinweist.
In Hannover wird es am Dienstag sogar eine Demonstration geben, die vom Betriebshof Glocksee zum Platz der Menschenrechte führt. Während des Streiks wird die S-Bahn Hannover nicht betroffen sein, es werden jedoch Shuttle-Busse zwischen dem Hauptbahnhof und dem Messegelände eingesetzt. Rund 2.500 Busfahrerinnen und Busfahrer sind zum Ausstand aufgerufen, was die Situation im Nahverkehr weiter zuspitzt.
Die bundesweite Perspektive
Die Gewerkschaft ver.di verhandelt nicht nur in Niedersachsen, sondern ist in einer bundesweiten Tarifrunde aktiv, die knapp 150 kommunale Unternehmen betrifft. Die Forderungen der Gewerkschaft sind nicht neu: Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit, bessere Schichtzeiten, und die Erhöhung von Zuschlägen für Nacht- und Wochenendarbeit stehen im Mittelpunkt. Auch in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Bewegungen, und die Mehrheit der kommunalen ÖPNV-Unternehmen unterliegt den Tarifverträgen Nahverkehr (TV-N).
Die derzeitige Situation ist also ein Spiegelbild eines größeren Problems im öffentlichen Nahverkehr. Die Beschäftigten kämpfen nicht nur um ihre Rechte, sondern auch um die Zukunft des Nahverkehrs in Deutschland. Die nächste Tarifrunde ist für den 11. Mai 2026 angesetzt, und die Hoffnung auf eine Einigung bleibt bestehen. In der Zwischenzeit bleibt den Fahrgästen nur, sich auf die erzwungene Ruhezeit im Nahverkehr einzustellen.