Ein bedeutender Umbruch steht bevor in der Filmstadt Göttingen: Das Filmbüro Göttingen hat beschlossen, sich zum 30. Juni 2025 von seiner im Januar 2024 gegründeten Drehort-Agentur zu trennen. Diese Agentur, die Büros und Archivräume am Zollstock 15 in Grone angemietet hatte, hatte das Ziel, Göttingen als Filmstadt mit eigenem Atelier und Soundstage bekannt zu machen. Doch diese Ambitionen werden nach einer umfassenden Evaluation, die in einem Workshop am 12. März 2025 mit Filmexperten und Vertretern der Stadtverwaltung stattfand, nicht weiterverfolgt. Dies berichtet HNA.
Das Filmbüro Göttingen hat in den letzten Jahren zahlreiche Filmprojekte unterstützt, jedoch fehlte es an der nötigen finanziellen Basis, um in diesem Bereich nachhaltig erfolgreich zu sein. Auch wenn die Filmvorführungen im Méliès und CinemaxX häufig ausverkauft sind und über 30 Stadtführungen zum Thema Film angeboten wurden, bleibt der monetäre Erfolg aus.
Neue Wege für die Filmstadt
Das einst angestrebte Filmmuseum wird nicht mehr realisiert. Stattdessen plant das Filmbüro, temporäre Ausstellungen in der Innenstadt zu organisieren, um die Filmgeschichte Göttingens lebendig zu halten. Die Unterstützung für Projekte von Produktionsfirmen soll weiterhin bestehen bleiben, allerdings ohne das Ziel, Göttingen als dauerhaften Produktionsstandort zu etablieren. Das Filmbüro hat zudem angekündigt, sich für den Erhalt des Ateliergebäudes auf dem Sartorius Campus einzusetzen. Ein großer Teil des Archivs wird als Dauerleihgabe ans Filminstitut Hannover übergeben.
Die mangelnde finanzielle Unterstützung seitens der Filmbranche sowie der Stadt Göttingen wurden als Hauptgründe für die Auflösung der Agentur identifiziert. Dennoch bleibt das Filmbüro optimistisch und möchte die Kooperation mit Nordmedia ausbauen, um die Göttinger Filmgeschichte intensiver aufzuarbeiten.
Kulturelle Veranstaltungen in Göttingen
<pTrotz der Herausforderungen steht die Filmstadt Göttingen nicht still. Zahlreiche Veranstaltungen sind in den kommenden Monaten geplant, die die Film- und Kinokultur vor Ort weiterhin fördern. Am 22. Juni 2025 wird es eine Stadtführung unter dem Motto „75 Jahre Filmstadt Göttingen“ geben, die um 14 und 17 Uhr stattfindet. Auch die regelmäßigen Filmvorführungen im Kino Méliès gehen weiter: Am 14. September 2025 wird der Film „Banditen der Autobahn“ (1955) gezeigt, gefolgt von „Hokuspokus“ (1953) am 14. Dezember 2025. Diese Filmvorführungen werden stets von einem Filmgespräch mit Sven Schreivogel begleitet, das für viele Fans der Filmgeschichte in Göttingen ein fester Bestandteil geworden ist. Besondere Erwähnung verdienen auch die interaktiven Vorträge, die das filmhistorische Wissen bereichern. So wird Matthias Gerschwitz am 4. September 2025 über „Die fast vergessenen Karrieren von Wilhelm Bendow und Hubert von Meyerick“ referieren.
Die Herausforderungen, die die Filmstadt Göttingen derzeit bewältigen muss, sind nicht gering, dennoch bleibt die Hoffnung, dass die Liebe zum Film und die Unterstützung der Filmfreunde vor Ort die Kultur weiterhin lebendig halten wird. Die Abkehr von den ursprünglichen Plänen könnte neue Möglichkeiten eröffnen und frischen Wind in die Göttinger Filmlandschaft bringen.