Am Hochschulstandort Göttingen sind die Semestergebühren ein echtes Sorgenkind für viele Studierende. Der aktuelle Semesterbeitrag beträgt stolze 436 Euro und gehört damit zu den höchsten in Deutschland. Nur die Universitäten in Marburg und Braunschweig haben mit 449 Euro und 440 Euro noch höhere Beiträge zu verzeichnen. Das führt dazu, dass viele Studierende, wie der 22-jährige Nils, der Mathematik und Sport auf Lehramt studiert, ihr Budget genau im Auge behalten müssen. Nils kommt monatlich auf knapp 1.000 Euro, das vor allem aus Nebeneinkünften und Unterstützung seiner Eltern stammt, so berichteten die Kollegen von HNA.

Doch nicht nur die hohen Semestergebühren drücken den Studierenden die Laune, auch die Lebenshaltungskosten stellen eine beträchtliche Belastung dar. Seit Mitte 2021 sind die Preise für Nahrungsmittel und Mieten um etwa 30 Prozent angestiegen. „Die hohen Kosten machen es fast unmöglich, ohne Nebenjob zu studieren“, bestätigt die 24-jährige Nina, die Wirtschaftsinformatik studiert und ebenfalls auf einen Nebenjob angewiesen ist. Auch Tim (26, Wirtschaftspädagogik) verdient rund 1.000 Euro monatlich durch seine Arbeit. Damit sind sie allesamt darauf angewiesen, zusätzlich zu lernen, auch noch zu arbeiten.

Die wirtschaftliche Schieflage

Die Studierenden in Göttingen klagen über die finanziellen Herausforderungen, die durch die hohen Gebühren und Lebenshaltungskosten entstehen. Rund 400 Euro des Semesterbeitrags werden durch das Deutschlandticket in Anspruch genommen, was viele als eine zusätzliche Belastung empfinden. Die monatlichen Lebenshaltungskosten belaufen sich mittlerweile auf durchschnittlich 842 Euro. „Ein Studium ist in Göttingen kaum ohne familiäre Unterstützung und Nebenjobs zu finanzieren“, stellt Matthias Nowak vom Studentenwerk Würzburg fest, der zu frühzeitigen BAföG-Anträgen rät, die für manche eine wichtige finanzielle Stütze darstellen.

Die Gesamtkosten für ein Bachelorstudium belaufen sich auf über 31.000 Euro, während Masterstudiengänge sogar mehr als 52.000 Euro kosten können. Diese Summen scheinen für viele Studierende kaum tragbar, wenn man bedenkt, dass sie oft mehrere Jobs parallel annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. „Wir sind mit unserer Ausbildung an der Universität Göttingen sehr zufrieden, doch die Kosten sind schlichtweg untragbar“, äußern sich die Studierenden unisono. Sie fordern faire Lösungen, um ein gutes Bildungsangebot auch ohne übermäßige Schulden nutzen zu können.

Fazit: Ein Kampf ums Überleben

In Göttingen wird klar, dass die finanzielle Belastung der Studierenden nicht nur individuelle Schicksale betrifft, sondern auch ein gesellschaftliches Problem darstellt. Solange die Semestergebühren so hoch bleiben und die Lebenshaltungskosten weiter steigen, bleibt es für Studierende eine spannende Herausforderung, ihr Studium erfolgreich und nebenbei finanziell zu stemmen. Die hohe Abhängigkeit von Nebenjobs und elterlicher Unterstützung prägt das Bild vieler Studierender und wirft die Frage auf, wie zukunftssicher unser Bildungssystem wirklich ist.