Gastronomie in der Krise: Teure Zeiten und sinkende Gästezahlen!
Gastronomen kämpfen mit Verlusten und Preiserhöhungen. Alexander Scharf erklärt, wie Inflation und Krise die Branche belasten.

Gastronomie in der Krise: Teure Zeiten und sinkende Gästezahlen!
In Norddeutschland herrscht derzeit ein schwieriges Klima für die Gastronomie. Gastronom Alexander Scharf ist das beste Beispiel dafür. Er betreibt vier Restaurants und sieht sich seit zwei Jahren mit einem Gesamtverlust von satten 800.000 Euro konfrontiert. Die Ursachen dafür liegen klar auf der Hand: Preiserhöhungen, die auf die Inflation des Jahres 2022 zurückgehen, haben Restaurantbesuche für viele zu einem Luxus gemacht, den sie sich nicht mehr leisten können. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) essen Geringverdiener seit Januar merklich seltener auswärts. Scharf sieht darin eine besorgniserregende Entwicklung für die Branche.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat Scharf spezielle Angebote ins Leben gerufen. So bietet er einen Burger und eine Limonade für 16,90 Euro an, und Kinder dürfen gratis mitessen. „Wir möchten, dass auch Familien sich einen Restaurantbesuch leisten können“, erklärt er. Trotz der Herausforderungen hat Scharf einen Optimismus, der viele in der Branche inspiriert. Um seine Betriebe zu unterstützen, hat er sogar einen Liquiditätskredit aufgenommen.
Steigende Preise und Konsumzurückhaltung
Die Situation für Gastronomen ist nicht neu. Seit Anfang 2022 sind die Preise für Pizza, Pasta und viele andere Gerichte in Restaurants deutlich gestiegen. Die DEHOGA meldet einen Preisanstieg von über 26 Prozent zwischen Januar 2022 und Juli 2025. Die Folge: Viele Gäste zeigen sich zurückhaltend. Sie verzichten nicht nur auf teure Gerichte, sondern auch auf Vorspeisen.
Die Umsätze der Hoteliers und Gastronomen im ersten Halbjahr 2025 liegen real 15,1 Prozent unter dem Niveau von 2019. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das reale Umsatzminus 3,7 Prozent. Ein Grund dafür sind die gestiegenen Arbeitskosten, welche seit 2022 um mehr als 34 Prozent angestiegen sind. Auch Lebensmittelpreise, alkoholfreie Getränke und Energiekosten haben sich um rund 30 Prozent erhöht. In den meisten Restaurants machen die Arbeitskosten mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus, während der Wareneinsatz über 30 Prozent beträgt.
Die Herausforderungen der Branche
Zudem kämpfen viele Gastro-Unternehmer mit steigendem Druck durch Energiekosten, Versicherungen, Gebühren und Pachten, die zwischen 10 und 15 Prozent des Umsatzes ausmachen können. 72 Prozent der Gastronomen geben an, dass sie notwendige Investitionen nicht tätigen konnten. Eine große Fluktuation in städtischen Ballungsräumen sowie die schwierige Nachfolgesuche für Restaurants auf dem Land sind weitere Herausforderungen, die für die Branche drängend sind.
Scharf hat noch ein weiteres Ausflugslokal erworben, um seine Verluste auszugleichen. Er erklärt, dass die Kalkulation in der Gastronomie nicht mehr nur auf die Warenkosten abzielt, sondern viel stärker der Deckungsbeitrag pro Gast in den Fokus rückt. Dieser liegt in vielen Restaurants zwischen acht und 16 Euro. Laut Scharf könnte eine geplante Senkung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 7 Prozent ab 2026 für ihn jährlich etwa 450.000 Euro einsparen und somit helfen, die Verluste etwas abzufedern.
In der Gastronomie stehen die Zeichen also auf Sturm. Angesichts dieser Herausforderungen bleibt abzuwarten, inwiefern die Branche sich anpassen und erholen kann. Scharf fordert mehr Fokus auf Marketing und Erlebnisgastronomie, um frischen Wind in die Branche zu bringen. Es bleibt zu hoffen, dass die angestrebte Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie ab dem 1. Januar, wie im Koalitionsvertrag versprochen, auch tatsächlich umgesetzt wird.