In Hannover sind die Spannungen innerhalb der Drogenhilfeeinrichtung Stellwerk eskaliert. In den letzten vier Monaten kam es dort zu einem besorgniserregenden Anstieg von Messerangriffen – ganze zehn Mal waren die Polizei und Rettungsdienste gefordert. Dies bedeutet, dass alle zwei Wochen eine gewalttätige Auseinandersetzung mit Messern oder ähnlichen Waffen stattfand. Die Tatorte sind hauptsächlich der Vorplatz des Stellwerks sowie die Augustenstraße und die Fernroder Straße. Auch der Raschplatz war einmal Schauplatz eines Übergriffs, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet.
Die Ermittlungen richten sich in fünf Fällen wegen versuchter Tötungsdelikte und in weiteren fünf Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung. Besonders alarmierend ist der Vorfall vom 18. August, an dem drei Männer einen 25-Jährigen gleich viermal in den Rücken stachen, was zu einer Lungenperforation führte; der junge Mann ist seither in Lebensgefahr. Seine Angreifer kommen häufig aus der Drogenszene, vornehmlich aus Osteuropa, Südosteuropa und dem arabischen Raum.
Kriege um Drogen und persönliche Streitigkeiten
Die Konflikte stecken jedoch nicht nur in der Drogenthematik, sondern entflammen oft auch durch persönliche Streitereien, häufig unter dem Einfluss von Crack. Ein Beispiel dafür ist ein Messerangriff am 9. September, ausgelöst durch einen Streit um eine Frau. Solche Vorfälle sind im Justizviertel, wo sich das Stellwerk befindet, keine Seltenheit. Diese Gegend ist seit längerer Zeit ein Kriminalitätsbrennpunkt, der durch den öffentlichen Drogenverkauf gekennzeichnet ist.
Um den Besuchern und Mitarbeitenden der Drogenhilfeeinrichtung einen gewissen Schutz zu bieten, hat die Stadt Zäune errichtet, auch rund um das Amtsgericht. Ähnliche Sicherheitsmaßnahmen sind für die Staatsanwaltschaft vorgesehen. Ordnungsdezernent Axel von der Ohe bezeichnet die Situation als „sehr besorgniserregend“ und hebt die enge Zusammenarbeit mit der Polizei hervor. Diese hat ihre Präsenz in der Umgebung deutlich erhöht und bereits eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet. So gab es seit dem 1. Juni 568 Kontrollen, 16 Platzverweise und drei Sicherstellungen.
Polizei und Stadt reagieren
Die Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten betont die Wichtigkeit eines koordinierten Vorgehens aller Beteiligten. Besonders die albanischen Drogendealer stehen hierbei im Fokus der Ermittlungen. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat zudem festgestellt, dass Hannover im Jahr 2024 mit 699 Drogenkriminalitätsfällen auf 100.000 Einwohner den dritten Platz unter deutschen Großstädten einnimmt und bei Gewaltdelikten mit 654 Fällen an erster Stelle steht.
In Deutschland insgesamt wurden im Jahr 2023 rund 347.000 Drogenkriminalitätsfälle polizeilich erfasst. Dies stellt einen Anstieg von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar. Die Mehrheit der Fälle, etwa 208.000, entfiel auf Cannabis, welches seit April 2024 teilweise legalisiert ist. Die Zahl der Drogentoten stieg im selben Jahr auf rund 2.230, was den gesellschaftlichen Druck und die gesundheitlichen Risiken durch übermäßigen Drogenkonsum verdeutlicht. Dies ist ein Alarmzeichen für alle Städte, auch für Hannover, wo die Zahl der kriminellen Übergriffe in der Drogen- und Gewaltszene weiter steigt, wie die Statistik der Statista nahelegt.