Der Stadtteil Mühlenberg in Hannover, lange Zeit als Brennpunktviertel bekannt, erlebt einen bemerkenswerten Wandel. Rund 2.000 Menschen aus etwa 50 Nationen leben in den Hochhauswohnungen, die in den vergangenen Jahren einer umfassenden Sanierung unterzogen wurden. Diese Initiative, die seit 2021 von der städtischen Baugruppe hanova vorangetrieben wird, umfasst Investitionen von rund 45 Millionen Euro und sollte bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Vor der Sanierung war der Zustand der Siedlung besorgniserregend: Müll, Schimmel und marode Gebäude prägten das Bild. Ralf Gehrmann, Quartierskoordinator im Canarisweg, schildert die Schwierigkeiten: „Der Zustand war verwahrlost, es gab Schäden an Fenstern und überall Müll“. Heute konnten dank neuer Sammelcontainer für Sperrmüll und der Reinigung der Flächen signifikante Verbesserungen erzielt werden. Auch ein Mittagstisch für Kinder und mehr Licht in dunklen Ecken wurden eingeführt.
Der Weg zur gemeinsamen Gestaltung
Am 19. November findet im Foyer der Leonore-Goldschmidt-Schule ein öffentlicher Planungsdialog zur Quartiersentwicklung statt. Ziel dieser Veranstaltung ist es, eine Zwischenbilanz nach über zehn Jahren Sanierung zu ziehen und Ideen für die Zukunft bis 2030 zu diskutieren. Dabei sind die Bürger aufgerufen, ihre Erfahrungen und Wünsche einzubringen. Die Ergebnisse des Dialogs fließen in das kommende Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für Mühlenberg ein, das 2024 veröffentlicht wird. Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, was für viele eine große Chance darstellt, aktiv mitzuwirken. Die Stadtverwaltung ermutigt alle Interessierten, sich einzubringen.
Die Entwicklung von Quartieren, wie in Mühlenberg, ist ein spannendes Thema. Laut einer Veröffentlichung des Städtetages sind Quartiere eigenständige Handlungs- und Planungsräume, die nicht nur Infrastruktur und Baukunst besitzen, sondern auch sozialräumliche Verbindungen schaffen. Diese managen Transformationen und Herausforderungen, die durch verschiedene soziale und wirtschaftliche Faktoren bedingt sind.
Gemeinsam anpacken und positiv verändern
Gehrmann, der seit 1998 bei hanova und seit Dezember 2020 Quartierskoordinator ist, sieht die positive Entwicklung als Resultat des gemeinsamen Anpackens. „Wichtig für die Verbesserung ist die Empathie für die Bewohner und verlässliche Ansprechpartner“, betont er. Auch die regelmäßige Präsenz der Polizei, in Form von Dreierstreifen mit Abfallfahndern und Ordnungsdienst, trägt zur Sicherheit in der Siedlung bei und sorgt für ein besseres Lebensgefühl.
Die anhaltende Nachfrage von neuen Mietern zeigt, dass der Knoten nun endlich platzt und Mühlenberg ein nicht mehr so stigmatisierter Ort wird. Gehrmann hat sogar eine Umbenennung des Canariswegs angeregt, um dem Viertel ein positiveres Image zu verleihen. “Da ist definitiv etwas im Fluss”, zeigt er sich optimistisch.
Insgesamt fließen fast eine halbe Million Euro in 19 Projekte in Niedersachsen, darunter ein Familiencafé und ein Sprachprojekt. Diese Initiativen zielen darauf ab, die Lebensqualität in Mühlenberg weiter zu steigern und ein echtes Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Mühlenberg, ein Ort im Wandel – und vielleicht wird er bald zu einem der lebenswertesten Stadtteile Hannovers.