Das Blutspenden in Deutschland steht in diesen Tagen unter enormem Druck. Angesichts von Feiertagen, Winterwetter und einer grippeähnlichen Krankheitswelle sind die Spenden drastisch zurückgegangen. Gesundheitsexperte Janosch Dahmen von den Grünen macht sich Sorgen um die Versorgungslage, die in einigen Regionen bereits angespannt ist. Wie die OZ berichtet, können bestimmte Blutgruppen nur noch für kurze Zeit bereitgestellt werden, was alarmierende Ausmaße annimmt.

Der Rückgang der Blutspenden hat gravierende Ursachen. „Die Kliniken erhalten derzeit weniger Blut“, stellt Stephan David Küpper, Pressesprecher der DRK-Blutspendedienste, fest. Durch die vermehrte Krankheit von potenziellen Spendern, die oft mit Sperrzeiten aufgrund von Atemwegsinfektionen rechnen müssen, fallen zahlreiche Spendentermine aus. Schnee und Eis schrecken zudem viele Menschen ab, sich zur Blutspende zu begeben.

Handlungsbedarf in Krisenzeiten

Janosch Dahmen fordert eine flexiblere Organisation der Blutspenden, um künftig besser auf Notlagen reagieren zu können. Der Bedarf an Blutprodukten ist täglich enorm – mindestens 15.000 Spenden werden benötigt, um den Bedarf für Operationen, Notfälle und die Versorgung von chronisch kranken Menschen sicherzustellen. „Blutprodukte sind nicht künstlich herstellbar und haben eine begrenzte Haltbarkeit“, mahnt Dahmen.

Die aktuelle Situation könnte sich bald etwas entspannen, hofft das DRK. Die Organisation ruft jedoch zur dringenden Buchung von Terminen auf, auch wenn das zu längeren Wartezeiten führen kann. Küpper ermutigt alle, sich von diesen Wartezeiten nicht abhalten zu lassen, auch in den kommenden Wochen zu spenden.

Digitalisierung der Blutspende

Ein weiterer Ansatz zur Stabilisierung der Blutspende-Situation könnte die Überprüfung und Implementierung der Telemedizin sein. Nach einer Gesetzesänderung sind diese Verfahren seit Mai 2023 möglich. Allerdings fehlt noch eine Verordnung des Gesundheitsministeriums, die den flächendeckenden Einsatz dieser digitalen Möglichkeiten regeln würde. Hierzu merkt die Healthcare Digital an, dass diese Telemedizin zwar die Teilnahme von Ärzten erleichtert, aber auch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Spender aufwirft.

Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) fordert mehr Studien zur Telemedizin und warnt, dass die persönliche Anwesenheit eines Arztes für die Gesundheitseinschätzung unerlässlich ist. Es gibt Bedenken, dass die Blutspendebereitschaft, insbesondere bei Erstspendern, durch diese neuen Verfahren negativ beeinflusst werden könnte.

Die Lage ist klar: Um eine langfristige Lösung für Blutspenden in Deutschland zu finden, ist sowohl eine Aufklärung über die Notwendigkeit regelmäßiger Blutspenden als auch eine Überprüfung der neuen digitalen Verfahren unerlässlich. Dahmen appelliert daher an gesunde Menschen, aktiv zu spenden und so wertvolles Leben zu retten.