In der Nacht von Freitag auf Samstag, am 17. November, bringt der deutsche Rapper Haftbefehl mit seinem ersten Live-Auftritt nach dem Erscheinen der Netflix-Dokumentation „Babo – Die Haftbefehl-Story“ frischen Wind nach Osnabrück. Das Konzert beginnt erst um 1.30 Uhr, was bedeutet, dass sich die Türen für Konzertbesucher erst ab 18 Jahren öffnen. Wer also das Spektakel miterleben möchte, sollte rechtzeitig da sein, denn NDR berichtet, dass der Hype um den Offenbacher Künstler ungebrochen ist.

Aykut Anhan, wie Haftbefehl bürgerlich heißt, hat sich in der deutschen HipHop-Szene als einflussreiche Figur etabliert. Seine Biografie ist geprägt von Schicksalsschlägen: Mit 13 Jahren verlor er seinen Vater durch Suizid und wuchs in einem von Armut geprägten Umfeld auf. Nach einem schwierigen Lebensweg eingeschlagen zu haben, wurde er 2006 wegen Drogenhandels verurteilt und floh damals in die Türkei, bevor er 2007 nach Deutschland zurückkehrte und seine Musikkarriere begann. Übrigens hat er in dieser Zeit auch in den Niederlanden gelebt, wo er seine ersten Texte schrieb, wie Wikipedia verrät.

Ein Blick auf die Doku

Die bereits erwähnte Doku gewährt tiefere Einblicke in Haftbefehl’s Leben und beleuchtet schwierige Themen wie Drogenkonsum, Sexismus und Antisemitismus in seinen Texten. Rund um diese Themen hat sich eine kontroverse Diskussion entwickelt. Auf der einen Seite wird der Rapper als Sprachrohr für migrantische Jugendliche gesehen, die sich stark mit seiner Geschichte identifizieren. Sein Hit „Chabos wissen, wer der Babo ist“ wurde zum Jugendwort des Jahres und erzeugte einen regelrechten Hype auf Schulhöfen. Soziologe Martin Seeliger hebt zudem hervor, dass Haftbefehl mit seinem Stil und den gemischten Sprachformen einen neuen Klang in der Deutschrap-Szene etablierte, was sich auch in den Worten seiner Lieder widerspiegelt, erzählt Tagesspiegel.

Doch nicht alle Teile seiner Geschichten kommen ohne Kritik aus. Als umstrittene Figur sieht sich Haftbefehl immer wieder konfrontiert mit Vorwürfen über gewaltverherrlichende und sexistische Inhalte. In Interviews hat er versucht zu verdeutlichen, dass seine Musik nicht zur Diskriminierung von Menschen zählt und dass er niemanden aufgrund ihrer Herkunft oder Religion verurteile.

Familienmensch mit Vergangenheit

Obwohl er heute als Superstar gilt, hat Haftbefehl auch eine weitere, persönliche Seite: Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dies gibt ihm eine gewisse Stabilität, während das Rampenlicht nicht nur Ruhm, sondern auch immense Druck mit sich bringt. Die Doku thematisiert seine gesundheitlichen Probleme, die er als Folgen seines früheren Lebensstils sowie der Drogenabhängigkeit erlebt hat. Dabei wird auch klar, dass die Musik für ihn eine Art Therapie ist, die es ihm ermöglicht, mit seinen eigenen Verlustängsten und der Komplexität seiner Beziehungen umzugehen.

Haftbefehl ist unbestritten ein kreatives Multitalent, das auf seinen Erfahrungen aufbaut und damit viele junge Menschen inspirieren kann, die ihr eigenes Leben neu gestalten wollen. Sein Aufstieg zeigt, dass es auch aus den ärmsten Verhältnissen heraus möglich ist, etwas zu erreichen, eine Botschaft, die ihn zu einer bedeutenden Identifikationsfigur macht.

Das Konzert in Osnabrück verspricht also nicht nur Musik, sondern auch einen Einblick in die vielseitige Persönlichkeit eines Künstlers, der mehr ist als nur ein Rapper; er ist ein Erzähler von Lebensgeschichten, die viele berühren.