In Brasilien ist der einstige Präsident Jair Bolsonaro in die Schusslinie geraten: Er muss sich nun den Konsequenzen seiner Verurteilung stellen. Laut letemps.ch hat der 70-Jährige alle rechtlichen Möglichkeiten gegen eine 27-jährige Haftstrafe wegen versuchten Staatsstreichs ausgeschöpft. Ein Dokument des Obersten Gerichtshofs wurde am Dienstag veröffentlicht, das dies offiziell bestätigt. Bolsonaro war zuvor seit August unter Hausarrest, wurde aber am Samstag in Untersuchungshaft genommen, da er als „hohe Fluchtgefahr“ galt.
Der Grund für die Verschärfung seiner Haftbedingungen war ein skandalöses Ermittlungsresultat: Bolsonaro versuchte, seine elektronische Fußfessel zu verbrennen. Der Richter Alexandre de Moraes stellte fest, dass dieser Vorfall unmittelbar nach Mitternacht stattfand und dass damit seine Fluchtpläne während einer geplanten Demonstration seiner Anhänger in Brasília aufgedeckt wurden.
Absurdeste Fluchtpläne
In einem Video räumte Bolsonaro ein, einen Lötkolben benutzt zu haben, um die Fußfessel zu beschädigen, und meinte, dies sei aus „Neugier“ geschehen. So eine Erklärung könnte man fast für einen Scherz halten, doch die Realität ist tragisch: Der Oberste Gerichtshof verurteilte ihn im September 2025 für schuldig, eine „kriminelle Organisation“ geleitet zu haben, die versuchte, seinen autoritären Einfluss nach der Wahl von Luiz Inácio Lula da Silva im Oktober 2022 aufrechtzuerhalten, erläutert franceinfo.fr.
Im Zentrum der Vorwürfe standen Mordpläne gegen politische Gegner, darunter Lula, Vizepräsident Geraldo Alckmin und den Richter Moraes selbst. Historisch gesehen ist es das erste Mal, dass ein Ex-Präsident Brasiliens wegen eines Umsturzversuchs verurteilt wurde. Nach der Urteilsverkündung feierten die Menschen in Brasilien mit Trommeln und Karnevalsumzügen, was als triumphaler Moment für die brasilianische Demokratie angesehen wird.
Kritik und Vergleiche
Bemerkenswert ist auch die internationale Dimension des Falls: Der Prozess gegen Bolsonaro wird mit Donald Trump in Verbindung gebracht, da beide ihre Wahlniederlagen nicht akzeptieren konnten und ihre Anhänger zu tumultartigen Aktionen anstifteten. Trump selbst bezeichnete das Urteil als „Hexenjagd“ und war überrascht über das harsche Urteil, wie tagesschau.de berichtet. Während Bolsonaro-Anhänger das Urteil als „Farce“ abtaten und eine Amnestie forderten, wird das politische Klima in Brasilien immer angespannter.
Die Verteidigung des ehemaligen Präsidenten hat bereits angekündigt, das Urteil anzufechten. Sie betont, dass Bolsonaro gesundheitliche Probleme hat, die eine Inhaftierung gefährlich werden lassen können. Laut den Anwälten ist Bolsonaro „tief geschwächt“ und eine Haft könnte „schwere Folgen“ für sein Leben haben. Während die nächsten Schritte noch in der Schwebe sind, bleibt abzuwarten, wie die Situation um diesen umstrittenen Politiker weitergeht.