In Tokio fand kürzlich ein Kongress zur Todesstrafe in Ostasien statt, bei dem die 92-jährige Hideko Hakamada eindrucksvoll von ihrem langjährigen Kampf gegen die Todesstrafe berichtete. Ihr Bruder, Iwao Hakamada, der 89 Jahre alt ist, wurde 2024 von den Mordvorwürfen freigesprochen, für die er über 46 Jahre im Todestrakt verbrachte. Iwao, ehemaliger Boxer und Mitarbeiter in einer Miso-Fabrik, war 1966 verhaftet worden, nachdem er beschuldigt wurde, seinen Chef und drei weitere Personen ermordet zu haben. Zwei Jahre später wurde er zum Tode verurteilt. Erst durch einen jahrelangen Rechtsstreit wurde aufgedeckt, dass die Polizei Beweise gefälscht und ihm „inhumane“ Verhöre angedeihen ließ, um falsche Geständnisse zu erzwingen, die er später widerrief. Sein fall gilt mittlerweile als einer der größten Justizirrtümer in der Geschichte des Landes, wie Charente Libre berichtet.

Die Umstände von Iwaos Inhaftierung zeigen nicht nur die Mängel im japanischen Justizsystem auf, sondern werfen auch ein grelles Licht auf die allgemeine Praxis der Todesstrafe in Japan. Laut Berichten von Le Monde musste Iwao während seiner 264-stündigen Befragung über 23 Tage hinweg unter extremen Bedingungen aus seiner “Schuld“ gestehen. Diese erzwungenen Geständnisse werden im japanischen Rechtssystem häufig als Beweismittel anerkannt. Eine erschreckende Statistik besagt, dass 75% der nachträglich freigesprochenen Personen für Mord unter Zwang gestanden haben.

Kampf gegen die Todesstrafe

Hideko Hakamada stellte auf dem Kongress klar, dass sie keinen Frieden finden könne, solange die Todesstrafe in Japan und weltweit angewendet wird. Nach ihrer Schätzung gab es 2024 weltweit 1.151 offizielle Hinrichtungen, wobei die tatsächliche Zahl laut der Organisation ECPM wahrscheinlich höher liegt. Schätzungen zufolge sitzen mindestens 30.000 Menschen weltweit im Todestrakt. In Japan warten etwa 100 Menschen auf ihre Hinrichtung. Es ist das einzige Land unter den G7-Staaten, das weiterhin die Todesstrafe anwendet, obwohl eine Mehrheit der Bevölkerung diese Praxis unterstützt. Dies birgt die Gefahr, dass unrechtmäßige Urteile gefällt werden.

Die Hinrichtungsmethoden in Japan sind besorgniserregend und finden in strenger Geheimhaltung statt. Häftlinge werden erst am Morgen des Hinrichtungstags über ihr Schicksal informiert, was psychisch enorm belastend ist. Kaum jemand ist bei den Exekutionen anwesend, und die Todeskandidaten erfahren in der Regel nur Stunden zuvor, was ihnen bevorsteht. Kritiker heben die unmenschlichen Haftbedingungen hervor, die Isolation und eingeschränkten Kontakt zu anderen Häftlingen umfassen. Es wird berichtet, dass die medizinische Versorgung stark eingeschränkt ist, was zu psychischen Erkrankungen führen kann. Die einzige Methoden der Hinrichtung ist das Erhängen, die seit 1873 unverändert bleibt, und auch die Bedingungen während der Gerichtsverfahren stehen immer wieder in der Kritik, da sie oft keine fairen und transparenten Abläufe gewährleisten.

Internationale Bestrebungen zur Abschaffung

Die Diskussionen rund um die Todesstrafe gewinnen nicht nur in Japan, sondern weltweit an Fahrt. Während die Todesstrafe in vielen Ländern abgeschafft wurde, gehören Japan und die USA zu den wenigen Demokratien, die diese Form der Bestrafung weiterhin praktizieren. Über 80% der Japaner befürworten laut Umfragen die Todesstrafe, ein Umstand, der verstärkte internationale Bemühungen nach sich zieht, das Justizsystem zu reformieren und die Praktiken zu überprüfen. Ein internationaler Kongress zur Abschaffung der Todesstrafe ist für 2026 in Paris geplant, was Hoffnung auf eine globale Wende in der Diskussion und Praxis der Todesstrafe gibt, so berichtet JapanWelt.