Shein vor Gericht: Droht die dreimonatige Sperrung in Frankreich?
Shein steht vor Gericht in Paris, da die Plattform durch wiederholte Verstöße möglicherweise für drei Monate gesperrt wird.

Shein vor Gericht: Droht die dreimonatige Sperrung in Frankreich?
Die Wiedereröffnung des Shein-Geschäfts im BHV, einem beliebten französischen Kaufhaus, sorgte für Aufregung. Doch nach den ersten 15 Tagen mit rund 150.000 Besuchern zeigen sich erste Veränderungen in der Stimmungslage der Käufer. Das berichtet Radio France. Immer wieder äußern Besucher, wie Corinne aus Orléans, ihre Enttäuschung über die eingeschränkte Produktauswahl und die höheren Preise gegenüber den Angeboten auf der Online-Plattform. Ein weiterer Kunde, Bruno, stellte nur leere Kassen fest: während seines Besuchs sah er keine Käufer mit Tüten und vollbeladenen Einkaufswagen.
Die anfängliche Euphorie hat sich also schnell gelegt. Eine Gewerkschaftsvertreterin, die anonym bleiben möchte, meldet bereits einen Rückgang der Kundenfrequenz und spricht von stillen Verkaufsflächen, die das Bild des neuen Geschäfte bestimmen. Das lässt sich auch durch den Abgang bekannter Marken wie Aesop und Lancôme erklären. Zudem klagen Lieferanten über wiederholte Zahlungsausfälle, die von der Geschäftsführung jedoch als vorübergehend abgetan werden.
Online-Probleme und rechtliche Herausforderungen
Doch die Schwierigkeiten für Shein gehen über die reale Verkaufsfläche hinaus. Das Unternehmen steht vor rechtlichen Herausforderungen, nachdem es in der Vergangenheit mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Wie BFM TV berichtet, ist Shein am Mittwoch in Paris vor Gericht geladen. Dort wird über die mögliche vorübergehende Aussetzung der Plattform entschieden, da der Staat Schritte zur „Mise aux normes“ verlangt, um bei wiederholten Verstößen, die bis zum Verkauf von fragwürdigen Produkten wie pädophilen Puppen reichen, durchzugreifen.
Laut eines Sprechers von Shein wird das Unternehmen “100% mit der Justiz zusammenarbeiten” und bereits Schritte zur Vermeidung weiterer Verstöße unternehmen. Zu den jüngsten Maßnahmen zählt die Schließung eines Teils der Website, der Drittanbietern das Anbieten von Produkten ermöglichte. Dennoch bleibt die Frage, ob dieser Schritt genug ist, um die vorübergehende Schließung abzuwenden. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass die Plattform bald endgültig vom Markt verschwindet, dennoch finalisiert die Justiz zurzeit ihre Entscheidung über die Klage.
Ein Blick auf regulatorische Maßnahmen
Im Zuge dieser Entwicklungen wird das Thema der Regulierung digitaler Marktplätze immer relevanter. Bereits seit Februar 2024 gilt der Digital Services Act (DSA) in der EU, der darauf abzielt, Transparenz, Haftung und Sicherheit in digitalen Räumen zu fördern. Parallel dazu wird durch den E-Commerce Action Plan die Kontrolle über die Vorschriften zur Produktsicherheit und die Haftung von Plattformen verstärkt, wie auf editorialge nachzulesen ist. Shein muss sich also in einem sich ständig wandelnden regulatorischen Umfeld behaupten, was zusätzliche Herausforderungen für die Marke mit sich bringt.
Es bleibt spannend, wie sich die Situation für Shein weiterentwickeln wird. Die Kombination aus leeren Regalen und rechtlichen Schwierigkeiten lässt aufhorchen und wirft die Frage auf, wie der E-Commerce-Riese diese Krise meistern kann. Die kommenden Tage und Wochen werden entscheidend sein, nicht nur für die Marke, sondern auch für die Verbrauchersicherheit und die Märkte insgesamt.