Deutschland zahlt Afghanen: 6.500 Euro statt Visum – was steckt dahinter?

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Die Bundesregierung bietet Afghanen in Pakistan finanzielle Abfindungen anstelle von Visa, während die Bearbeitung von Aufnahmezusagen wieder beginnt.

Die Bundesregierung bietet Afghanen in Pakistan finanzielle Abfindungen anstelle von Visa, während die Bearbeitung von Aufnahmezusagen wieder beginnt.
Die Bundesregierung bietet Afghanen in Pakistan finanzielle Abfindungen anstelle von Visa, während die Bearbeitung von Aufnahmezusagen wieder beginnt.

Deutschland zahlt Afghanen: 6.500 Euro statt Visum – was steckt dahinter?

In dieser Woche sorgen Neuigkeiten aus der deutschen Politik für Aufsehen: Die Bundesregierung hat beschlossen, Afghanen, die eine Aufnahmezusage erhalten haben, eine finanzielle Abfindung anzubieten, anstelle eines regulären Visums. Dieses sofort umsetzbare Programm betrifft etwa 60 Personen auf der Menschenrechtsliste und rund 600, die im Überbrückungsprogramm in Pakistan auf ihre Ausreise warten. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Rückkehrprozess zu erleichtern und Afghanen, die in einer prekären Lage sind, eine neue Perspektive zu bieten.

Die angebotene Summe beläuft sich auf etwa 6.500 Euro für alleinstehende Frauen. Diese Summe setzt sich aus 1.500 Euro vor der Ausreise und 5.000 Euro als Starthilfe zusammen. Für Familien erhöht sich dieser Betrag je nach der Anzahl der Mitglieder. Die Bundesregierung verspricht sich von dieser finanziellen Unterstützung, dass sie den zurückkehrenden Familien nicht nur die Rückkehr aus Pakistan erleichtert, sondern ihnen auch einen Neuanfang in der Heimat ermöglicht, die wirtschaftlich stark angeschlagen ist.

Die Situation in Afghanistan

Ein Blick nach Afghanistan, offiziell das Islamische Emirat Afghanistan, zeigt die Herausforderungen, mit denen das Land konfrontiert ist. Afghanistan ist ein Binnenland in Südasien, umgeben von Pakistan, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und China. Es hat eine Fläche von 652.864 Quadratkilometern und eine wechselvolle Geschichte geprägt von verschiedenen Kulturen und Religionen. Die Hauptstadt Kabul hat eine Bevölkerung von geschätzten 40 bis 50 Millionen Menschen und war historisch ein Zentrum für Innovation und kulturellen Austausch.

Leider hat die Vergangenheit des Landes auch von umfangreichen Kriegen geprägt, unter anderem den sowjetischen Invasionen in den späten 1970er Jahren und dem militärischen Eingreifen der USA im Jahr 2001. Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 hat die internationale Gemeinschaft das Regime weitgehend nicht anerkannt, vor allem aufgrund schwerer Menschenrechtsverletzungen, insbesondere gegen Frauen.

Warten auf Ausreise

Aktuell warten etwa 2.100 afghanische Staatsangehörige in Pakistan und Afghanistan auf ihre Ausreise. Die Situation ist brenzlig, da über 200 von ihnen bereits von Pakistan nach Afghanistan zurückgeschickt worden sind, wo sie in einer unsicheren Lage leben müssen. Berichten zufolge haben bereits 20 dieser Abgeschobenen es erneut nach Pakistan geschafft, um dort auf eine Lösung zu hoffen.

Die Bearbeitung der Aufnahmezusage, die monatelang unter Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) gestoppt war, hat seit Herbst 2025 wieder begonnen. Dennoch durften bis jetzt nur zwei Personen regulär einreisen, während rund 110 Personen ihre Visa gerichtlich erzwangen. Angesichts der in der Vergangenheit angestoßenen Gespräche zwischen der Bundesregierung und dem Taliban-Regime über mögliche Abschiebungen, trotz der international kritisierten Politik der Taliban, bleibt die Situation für viele unsicher.

Kritik und Ausblick

Wiebke Judit von Pro Asyl hat die Verhandlungen der Bundesregierung scharf kritisiert und spricht von einem Skandal, der das Völkerrecht bricht. Die Lage in Afghanistan und die schwierige Rückkehr der Geflüchteten sind Themen, die nicht nur Deutschland, sondern die gesamte internationale Gemeinschaft herausfordern. Afghanistan, ein Land mit einem reichen kulturellen Erbe und natürlichem Reichtum, steht vor der Aufgabe, sich aus einem Zyklus von Gewalt und Armut zu befreien.

Mit diesen umfassenden Maßnahmen versucht die Bundesregierung, auf die enormen humanitären Herausforderungen zu reagieren. Ob dies ausreicht, um die Not zu lindern und eine positive Wende zu schaffen, bleibt abzuwarten.

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema können die folgenden Artikel gelesen werden: az-online, Wikipedia, Britannica.