In Wilhelmshaven wird derzeit das Zentralabitur in Niedersachsen abgelegt, und zwei bemerkenswerte junge Frauen stehen im Mittelpunkt: Arina Shyrkova (19) und Anastsiia Vodianytska (20), beide aus der Ukraine. Vor rund drei Jahren kamen sie nach Deutschland und haben sich mittlerweile gut eingelebt. Anastsiia hat das Glück, einen Onkel in Deutschland zu haben, der seit etwa zehn Jahren hier lebt und ihre Familie unterstützt. Arina hingegen vermisst ihre Heimat Charkiw, besonders ihre Großeltern, ihre Katze und ihre Freunde.

Die beiden Ukrainerinnen wohnen mit ihren Eltern und einer Schwester in Wilhelmshaven. Zu Beginn war es für sie alles andere als einfach, sich am Neuen Gymnasium zurechtzufinden. Doch der Sport, insbesondere Volleyball, half ihnen, Anschluss zu finden. Mathelehrer und Tutor Felix Braun-Munzinger zeigt sich stolz auf die Fortschritte seiner Schülerinnen: Anastsiia hat einen Notendurchschnitt von 2,6, während Arina mit 2,9 ebenfalls gute Leistungen erbringt.

Die Zukunft im Blick

Für die beiden Frauen ist das Abitur ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Anastsiia hat bereits einen Ausbildungsplatz zur technischen Produktdesignerin in Aussicht. Arina hingegen möchte das deutsche Abitur machen, um ihre Chancen für ein Architekturstudium zu verbessern. Sie benötigt dafür ein Praktikum, das sie in der Region absolvieren möchte. Nach dem Abitur planen beide, nach Oldenburg zu ziehen, um ihre beruflichen Ziele zu verfolgen.

In ganz Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild: Im Jahr 2023 wurden mehr als 200.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in Schulen unterrichtet. Viele dieser Kinder, die oft in internationalen Vorbereitungsklassen unterrichtet werden, haben unterschiedliche Lernniveaus und Voraussetzungen. Clara Vauth, die an der Gesamtschule Rodenkirchen Deutsch unterrichtet, berichtet von Schülern aus verschiedenen Ländern, darunter auch aus Syrien und Afghanistan. Der Unterricht ist oft eine Herausforderung, da der ständige Wechsel von Schülern und die unterschiedlichen Sprachkenntnisse die Lernatmosphäre beeinflussen.

Integration im Bildungssystem

Die Integration neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher stellt eine zentrale Herausforderung im deutschen Bildungssystem dar. Viele dieser Schüler haben eine schwierige Flucht hinter sich und bringen unterschiedliche Bildungsbiographien mit. Oft beginnt der Schulbesuch erst Monate nach der Ankunft in Deutschland, was zu Brüchen in der Schulbiographie führt. Die Schulen versuchen, Regelabläufe aufrechtzuerhalten, was häufig zur Auslagerung neu zugewanderter Schüler in spezielle Klassen führt.

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Besonders wichtig sind stabile soziale Beziehungen und ein sicherer Aufenthaltsstatus für den schulischen Erfolg. Dennoch fühlen sich viele Lehrkräfte überfordert und unzureichend vorbereitet, um mit der Heterogenität der Schüler umzugehen. Trotz dieser Herausforderungen haben Schüler wie Sofiia Yakina, eine 15-jährige Schülerin aus Mariupol, bereits Pläne für eine Ausbildung oder das Abitur gefasst. Die gesellschaftlichen Erwartungen an neu zugewanderte Schüler, sich an bestehende Strukturen anzupassen, können jedoch zusätzlichen Druck erzeugen.

In Wilhelmshaven zeigen Arina und Anastsiia, dass die Integration gelingen kann, wenn man Chancen nutzt und Unterstützung erhält. Ihre Geschichten sind ein Lichtblick in Zeiten, in denen die Herausforderungen der Integration neu zugewanderter Schüler oft im Vordergrund stehen. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Erfolge nicht nur sie, sondern auch viele andere inspirieren, ihre Träume zu verwirklichen.