In einem emotionalen Abschied schließt Lydia Rahaus ihr geliebtes Café „Schokodeern“ in der Holtenauer Straße in Kiel. Nach 18 Jahren des Schaffens und der Leidenschaft für ihre Handwerkskunst hat sich die Inhaberin entschieden, das Backen einzustellen. Wie kn-online.de berichtet, wird das Café am 28. und 29. November 2023 von 11 bis 17 Uhr für die letzten Kunden geöffnet, um sich von ihnen zu verabschieden und ein wenig Inventar anzubieten. Stammgäste sind von der Schließung tief betroffen, einige konnten ihre Tränen nicht zurückhalten.

Die Gründe für diesen emotionalen Schritt sind vielfältig. Während der Corona-Pandemie entwickelte sich ein angespanntes Verhältnis zwischen Rahaus und ihrer Vermieterin, was sie langfristig belastete. Streitigkeiten und Gerichtsverhandlungen fraßen ihre Kraft, und die Inhaberin spürt Traurigkeit und Leere in dieser Entscheidung. So beschreibt es auch der Webauftritt der Konditorei Schokodeern. „Ich gebe nicht auf, ich höre nicht auf, ich mache nur etwas anderes,“ äußerte Rahaus, die sich nach dieser schweren Zeit ein digitales Comeback erhofft.

Blick in die Zukunft

Die Pläne für die Zukunft sind bereits konkret: Lydia Rahaus möchte ihre Leidenschaft für das Backen in einer digitalen Form fortführen, unter anderem durch einen Online-Shop mit einem umfassenden Sortiment an Schokoladenprodukten, ohne selber zu produzieren. Sie hat auch Videos aufgenommen, um ihre Backkünste online zu teilen und so den Kontakt zu ihren Kunden aufrechtzuerhalten. Die gesamte Backstube wurde bereits für die neuen Möglichkeiten eingelagert, was bedeutet, dass ein Teil ihrer alten Welt für die Zukunft gerettet wird.

Diese Schließung fällt in eine Zeit, in der die Gastronomie in Deutschland erheblich unter Druck steht. Im Jahr 2023 mussten zehn Prozent der Gastronomiebetriebe aufgeben, was laut tagesschau.de insgesamt etwa 48.000 Schließungen seit 2020 bedeutet. Besonders betroffen sind kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, die im Zuge der pandemiebedingten Herausforderungen und der Inflation immer weiter in die Knie gezwungen werden. Die Anhebung der Umsatzsteuer auf Speisen verschärft die Lage zusätzlich.

Ein Ort der Gemeinschaft

„Schokodeern“ war über die Jahre weit mehr als nur ein Café. Die Verbindung zu den Gästen war besonders stark, und viele sahen in Lydia Rahaus eine Freundin. Durch die hohe Qualität ihrer Produkte, aus hochwertigen Bio-Zutaten und mit viel Liebe zum Detail, hat sie sich einen Platz im Herzen der Kieler erobert. An den letzten beiden Tagen sind alle eingeladen, sich von ihrem Café zu verabschieden und vielleicht ein Stück Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.

Abschließend bleibt zu sagen: Auch wenn „Schokodeern“ seine Türen schließt, wird das Erbe der kulinarischen Kunst von Lydia Rahaus weiterleben. Mit ihrem digitalen Projekt hofft sie, viele ihrer treuen Kunden auch in der Zukunft an ihrer Leidenschaft für das Backen teilhaben zu lassen. Die Gastronomie steht großen Herausforderungen gegenüber, aber mit einem innovativen Ansatz könnten neue Wege für die Zukunft gefunden werden.