In Schleswig-Holstein steht die erste Tarifrunde für die rund 60.000 Beschäftigten im Hamburger Groß- und Außenhandel auf der Kippe. Am 20. April 2026 wurden die Verhandlungen um höhere Löhne ergebnislos beendet. Die Gewerkschaft Verdi hatte klare Forderungen auf den Tisch gelegt: Sie verlangt eine Lohnerhöhung von 7 Prozent oder mindestens 250 Euro monatlich. Besonders betroffen sind Auszubildende, für die eine monatliche Erhöhung von 150 Euro gefordert wird. Die Hintergründe dieser Forderungen sind nicht zu vernachlässigen: Die steigenden Lebenshaltungskosten und das niedrige Einkommensniveau machen den Beschäftigten zu schaffen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Eine Kauffrau oder ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel verdient ab dem sechsten Jahr 3.300 Euro brutto. Diese Summe ist in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der allgemeinen Preisentwicklung kaum noch ausreichend. Arbeitgebervertreter Michael Fink äußerte sich während der Verhandlungen und betonte, dass die Bedingungen für die Branche als sehr schwierig einzustufen seien. Die geforderte 7-prozentige Erhöhung sei seiner Meinung nach nicht bezahlbar und könnte sogar Arbeitsplätze gefährden.

Herausforderungen im Handel

Der Druck auf die Beschäftigten im Handel ist enorm. Laut Verdi verwenden die Beschäftigten bis zu 70 Prozent ihres Einkommens für Miete, Lebensmittel und Energieversorgung. In vielen Fällen bleibt da nicht viel für den Rest des Lebens übrig. Die Gewerkschaft sieht sich auch mit der Herausforderung konfrontiert, dass über 80 Prozent der Handelsbetriebe keinen Tarifvertrag anwenden. Dies führt dazu, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in prekären Verhältnissen arbeiten müssen.

Darüber hinaus betrifft die Tarifrunde nicht nur den Groß- und Außenhandel, sondern auch den Einzelhandel. Insgesamt sind rund 5,2 Millionen Beschäftigte im Handel von den laufenden Tarifverhandlungen betroffen, die ab April 2026 beginnen. Auch hier wird über Einkommenssteigerungen verhandelt, die über der Inflationsrate liegen sollen. Silke Zimmer, ein Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, hebt hervor, dass der durchschnittliche Bruttolohn im Einzelhandel unter dem der Gesamtwirtschaft liegt.

Ausblick auf die Verhandlungen

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 19. Mai angesetzt, und es bleibt abzuwarten, ob es den Parteien gelingt, einen Kompromiss zu finden. Die Gewerkschaft fordert nicht nur höhere Löhne, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Vollzeitstellen statt Minijobs. Aktuell sind fast 40 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel teilzeitbeschäftigt, und mehr als 17 Prozent sind ausschließlich geringfügig beschäftigt.

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Die kommenden Wochen könnten für die Zukunft der Beschäftigten im Hamburger Groß- und Außenhandel entscheidend sein. Die Verhandlungen werden zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, auf die berechtigten Forderungen der Beschäftigten einzugehen.