Kasseedorf im Aufruhr: Widerstand gegen Mega-Windpark wächst!
Kasseedorf plant Windpark auf 100 Hektar trotz Widerstand. Bürger fürchten Wertverlust und Umweltbelastung.

Kasseedorf im Aufruhr: Widerstand gegen Mega-Windpark wächst!
Im kleinen Kasseedorf in Ostholstein tut sich gerade viel, was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. Dank einer Gesetzesänderung des Bundes haben die Kommunen nun die Möglichkeit, Windkraftprojekte unabhängig von den Plänen des Landes zu gestalten. Dies könnte der Schlüssel für eine neue Ära der Energieversorgung sein, aber wie es häufig der Fall ist, gibt es auch Widerstand. Die Gemeinde plant, auf rund 100 Hektar einen Windpark mit bis zu acht Windrädern zu errichten, die mit stolzen 261 Metern die höchsten in Schleswig-Holstein werden sollen. Bürgermeister Mario Bielarz von der CDU sieht in dem Projekt eine Möglichkeit zur Sanierung des defizitären Haushalts, der sich aktuell mit einem Minus von 800.000 Euro präsentiert.
Die erwarteten Einnahmen von etwa 300.000 Euro jährlich aus Stromerzeugung und Gewerbesteuer würden der Gemeinde gut tun. Doch die Fläche, die für den Windpark vorgesehen ist, gehört nicht zu den vom Land als Vorrangflächen ausgewiesenen Gebieten für Windkraft. Daher sind die Pläne auf den ersten Blick umstritten. Das Innenministerium von Schleswig-Holstein äußerte bereits Bedenken zur Planungshoheit und der geforderten einheitlichen Windkraft-Planung, während die neuen Regionalpläne, die erst bis Ende 2026 abgeschlossen sein sollen, Kasseedorfs Flächen nicht als Windkraft-Gebiet ausweisen. Das bedeutet, dass die eigentliche Zukunft des geplanten Windparks noch in den Sternen steht.
Widerstand formiert sich
Die Pläne, die das Unternehmen „Hanse Windkraft“ umsetzen möchte, wiegen schwer. Bei einer Einwohnerversammlung Anfang November regte sich Widerstand gegen das 100-Millionen-Euro-Projekt. Rund 80 Bürgerinnen und Bürger diskutierten in der Alten Schulscheune über die Vor- und Nachteile des Windparks. Viele sind besorgt über die Auswirkungen auf die lokale Natur und die potenziellen Wertverluste ihrer Immobilien. Insbesondere Anwohner wie Lutz Köhn, der unisono Unterstützung für die Proteste der Bürgerbegehren anmeldete, sehen die Aufschneidung der Fläche als ungerecht an, da sie sich in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Windrädern befinden.
Der engagierte Moderator Mirko Strunge sprach während des Abends von einem klaren Wunsch der Anwohner, einen Gegenpol zu den positiven Darstellungen des Projekts zu schaffen. Viele forderten, die bereits eingeplanten Windkraftflächen abzuwarten und die bereits existierenden Gesetze zurückzugehen. Eine anfangs positive Haltung der Gemeinde Kasseedorf schien nicht mehr gegeben. Der Bürgermeister und die Gemeindevertretung hatten im September 2024 noch für größere Abstände zwischen den Windrädern und nahegelegenen Siedlungen plädiert, doch die schnelle Abkehr von der aktiven Beteiligung an der Planung führte zu einem Vertrauensverlust unter den Bürgern.
Regionalpläne und naturschutzrechtliche Bedenken
Am 29. Juli 2025 genehmigte die Landesregierung neue Regionalpläne für Windkraft, die aus dem Jahr 2020 stammen. Diese neuen Pläne sehen vor, die Fläche für Windkraft von 2 % auf etwa 3 % der Landesfläche zu erhöhen. Diese Entwicklung könnte für die zuständigen Stellen in Kasseedorf sowohl Chance als auch Herausforderung darstellen. Während der Ausarbeitung der Pläne wurden etwa 3.300 Stellungnahmen von Bürgern eingereicht, die jetzt ausgewertet werden.
Die naturschutzrechtlichen Bedenken sind nicht zu vernachlässigen. Während des Gesprächs wurde auf die mögliche Gefährdung von 135 Vogelarten und Fledermäusen hingewiesen. Der emotionale Druck der Bürger ist hoch, da die Entscheidung über das Schicksal des Windparks in den Händen des Bauausschusses liegt, der im März 2026 über den Flächennutzungsplan abstimmen soll. Sollte dieser grünes Licht geben, droht ein Bürgerbegehren – das haben die Gegner des Projekts bereits angekündigt.
Ob der Windpark Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die lokale Bevölkerung stark involviert ist und ein waches Auge darauf hat, wie es weitergeht. Letztlich müssen die Interessen der Bürger, die Natur und die Notwendigkeit zur Energiewende unter einen Hut gebracht werden – eine wahrlich anspruchsvolle Aufgabe, die kein leichtes Spiel verspricht.
Für weitere Informationen zu den Regionalplänen in Schleswig-Holstein schauen Sie auf NDR oder shz. Hier finden Sie auch Details zu den aktuellen Planungen der Landesregierung schleswig-holstein.de.