Nach fast fünf Jahrzehnten im Herzen von Lübeck ist es bald endgültig vorbei: Das Kunsthaus an der Königstraße schließt seine Pforten. Gegründet im Jahre 1976 von Klaus Oestmann und Frank-Thomas Gaulin, zwei Künstlern mit einer Leidenschaft für moderne Kunst, hat sich die Galerie zu einer festen Institution in der Kulturszene der Stadt entwickelt. Diese Entscheidung zur Schließung kommt nicht von ungefähr, denn beide Inhaber treten nun in den Ruhestand und verabschieden sich von einem Lebenswerk, das sie mit Herzblut aufgebaut haben. Wie NDR berichtet, wird der endgültige Schlusspunkt am 4. Advent gesetzt.

Das Kunsthaus ist nicht nur für seine beeindruckende Sammlung von Lithographien, Radierungen und Originalgrafiken bekannt, sondern auch für seine Verbindung zu renommierten Künstlern wie Günter Grass und Armin Mueller-Stahl, deren Werke hier exklusiv verkauft wurden. Die Vielfalt der dort ausgestellten Kunst ist beachtlich: von Max Pechstein über Käthe Kollwitz bis hin zu Joan Miró und Edvard Munch. In der letzten Ausstellung „Tag und Nacht auf Erde“ wird nochmals die große Bandbreite von Grass präsentiert, der im Dezember 95 Jahre alt wird. Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa beschreibt das Kunsthaus als ein „Gesamtkunstwerk“, das weit über Lübeck hinaus strahlt.

Ein schwerer Abschied

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge zelebrieren die beiden Inhaber ihr Lebenswerk. Es hat sich nicht nur um den Verkauf von Kunst gedreht, sondern auch um die Schaffung eines kulturellen Rückzugsortes, wo Besucher oft länger verweilen als geplant. Gaulin hat sich stets bemüht, Kunst zugänglich zu machen und stand seinen Gästen mit Geschichten und einem offenen Ohr zur Seite. „Alles hat seine Zeit“, so fasst er die Beweggründe für den Rückzug zusammen. Die internationale Klientel hat heftig auf die Schließungsankündigung reagiert, viele nahmen Kontakt auf und besuchten das Kunsthaus ein letztes Mal, wie auch SayArt anmerkt.

Die Zukunft des historischen Gebäudes ist bereits gesichert: Es wurde an ein Lübecker Paar verkauft, das plant, die Räume entsprechend den Vorgaben zum Denkmalschutz für Wohn- und Geschäftszwecke zu renovieren. Hier wird sichergestellt, dass die kulturelle Bedeutung des Ortes weiterlebt und nicht in eine anonyme Gewerbeimmobilie verwandelt wird. Ein Glück für Lübeck, dass das Kunsthaus nicht einfach einer kommerziellen Nutzung zum Opfer fällt!

Blick in die Gegenwart

Die Schließung des Kunsthauses ist nicht nur für die beiden Inhaber ein emotionaler Moment, sondern auch für die vielen Kunstfreunde, die über die Jahre hinweg einen Platz in ihren Herzen für diese Galerie gefunden haben. Thomas Hailer, der Leiter der Nordischen Filmtage Lübeck, betrachtet das Lebenswerk der Inhaber als „unglaublich“ und würdigt die kulturelle Einflussnahme des Kunsthauses. Während der letzten Wochen wird die Galerie ihre Türen für Besucher offenhalten und lässt Kunstliebhaber noch einmal die besondere Atmosphäre und die beeindruckenden Werke erleben, bevor der Vorhang für immer fällt.

In der Übergangsphase wird es jedoch keine Schlussverkaufsaktionen geben. Ungesellige Bestände wird man freundlich an andere Galerien und Kunsthändler weitergeben, damit die Kunst weiterhin ihre Bestimmung findet. So schließt das Kunsthaus, aber in den Herzen der Menschen wird es wohl immer einen besonderen Platz behalten.