Lübeck verzichtet auf Straßenbahn: Hoffnung auf modernere Verkehrswende gescheitert

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Lübeck scheitert an der Wiedereinführung der Straßenbahn: Bürgerschaft beendet Vorplanungen, trotz Forderungen nach städtebaulicher Modernisierung.

Lübeck scheitert an der Wiedereinführung der Straßenbahn: Bürgerschaft beendet Vorplanungen, trotz Forderungen nach städtebaulicher Modernisierung.
Lübeck scheitert an der Wiedereinführung der Straßenbahn: Bürgerschaft beendet Vorplanungen, trotz Forderungen nach städtebaulicher Modernisierung.

Lübeck verzichtet auf Straßenbahn: Hoffnung auf modernere Verkehrswende gescheitert

Die Hoffnungen auf eine Rückkehr der Straßenbahn in Lübeck sind endgültig gescheitert. Der Bauausschuss der Lübecker Bürgerschaft hat entschieden, die Vorplanungen für eine Wiedereinführung abzubrechen. Diese Entscheidung kommt im Kontext der Erarbeitung des neuen Verkehrsentwicklungsplans, der für die nächsten 15 Jahre Gültigkeit haben soll. Der ÖPNV-Anteil an den zurückgelegten Strecken in Lübeck, der derzeit bei nur 11 Prozent liegt, soll zwar auf 20 Prozent erhöht werden, doch nun wird die Straßenbahn nicht berücksichtigt, wie die taz berichtet.

Die Stadt Lübeck ist damit eine der wenigen Großstädte in Deutschland, die ohne S-Bahn, U-Bahn oder Straßenbahn auskommen müssen. Die letzte Straßenbahn in der Stadt wurde 1959 eingestellt. Der Verein “Tram für Kiel”, vertreten durch seinen Sprecher Lutz Kuwalsky, spricht von einem verpassten städtebaulichen Modernisierungsschritt. Kuwalsky kritisiert die Entscheidung der Stadtverwaltung als eine klare Verweigerung, die dringend notwendige Verkehrswende einzuleiten. Seit dreieinhalb Jahren kämpft der Verein für eine Rückkehr der Straßenbahn.

Ein heiß diskutiertes Thema

In der Diskussion um das Straßenbahnprojekt wird klar, dass die Argumente sowohl für als auch gegen eine Wiedereinführung vielseitig sind. Befürworter verweisen auf die Vorteile einer Straßenbahn: höhere Kapazität, Klimaneutralität und die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. Außerdem würde der Komfort im Vergleich zu Bussen steigen. Das Ziel der Stadt ist es, bis 2035 klimaneutral zu werden, was eine wesentliche Steigerung des ÖPNV-Anteils erfordert. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Analyse empfiehlt ein Straßenbahnsystem mit insgesamt vier Linien, das zentrale Punkte wie die Altstadtinsel und den Hauptbahnhof miteinander verbinden würde.

Dennoch sieht die Stadtverwaltung die geplanten Kosten von schätzungsweise 330 Millionen Euro als einen entscheidenden Nachteil an. Insbesondere CDU-Abgeordneter Ulrich Brock führt die finanziellen Belastungen, die durch den Ausbau des Fernwärmenetzes bereits bestehen, als Argument an. Für die Bürger in Lübeck bleibt auch die Tatsache, dass die Entscheidung gegen die Straßenbahn langfristig zusätzliche Kosten für die Sanierung von Brücken nach sich ziehen könnte, ein zentrales Thema.

Alternative Lösungsansätze

Die Stadtverwaltung präferiert stattdessen eine Optimierung des bestehenden Busnetzes in Kombination mit Nutzung der vorhandenen Bahnstrecken für eine “Regio-S-Bahn”. Verkehrswendebeauftragter Michael Stödter sieht zwar Potenzial in schienengebundenen Angeboten, hält aber die Voraussetzungen in Lübeck für ungünstig. Auch Torsten Fürter von der FDP zeigt sich skeptisch gegenüber der Idee einer Straßenbahn und schlägt alternative “on demand”-Lösungen vor.

In diesem Kontext signalisieren vor allem die Lübecker Grünen ihre Enttäuschung über den Beschluss und betonen weiterhin die Notwendigkeit einer Straßenbahn. Sie argumentieren, dass die Stadt ohne die Straßenbahn die bereits bestehenden Probleme im Verkehrsbereich nicht nachhaltig lösen kann. Während einige Politiker wie Ulrich Brock vom CDU eine positive Vision für die Verkehrsplanung befürworten, bleibt das Thema um die Straßenbahn eine emotional geführte Debatte, die sowohl die sozialen als auch die ökologischen Aspekte des Verkehrs in Lübeck beleuchtet.

Angesichts der sich verändernden Verkehrswende in Deutschland, die auf eine Stärkung von Bahnen und Bussen abzielt, bleibt abzuwarten, wie sich die öffentliche Meinung sowie die politischen Entscheidungen in Lübeck entwickeln werden. Ein weiterer Anstieg der Verkehrsbelastungen in der Stadt könnte die Diskussion neu entfachen. Laut Statista wurde 2024 bereits ein Anstieg der Nutzerzahlen im ÖPNV verzeichnet und legte den Grundstein für zukünftige Überlegungen und Maßnahmen.