Schleswig

Hausärzte dringend gesucht: Schleswig-Holstein braucht mehr Nachwuchs!

Schleswig-Holstein hat sich als Vorbild bei der Besetzung freier Hausarztstellen hervorgetan. Laut Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) sind derzeit nur 23 Hausarztstellen pro eine Million Einwohner unbesetzt. Damit liegt Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich hinter Hamburg, wo alle Stellen besetzt sind. Berlin folgt mit 32 freien Hausarztstellen pro Million Einwohner. Bettina Schultz, die Vorstandsvorsitzende der KVSH, hebt die erfolgreiche Nachbesetzung von Hausarztsitzen im Norden hervor, was unter anderem auf die guten Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten in der Region zurückgeführt wird.

Die seit 2014 bestehenden Lehrstühle für Allgemeinmedizin an den Universitäten Kiel und Lübeck haben dazu beigetragen, die Zahl der Mediziner in allgemeinmedizinischer Weiterbildung von 59 im Jahr 2016 auf 415 im Jahr 2024 zu steigern. Dennoch wird ein erheblicher Teil der aktuellen Hausärzte, etwa ein Drittel, bis 2030 in den Ruhestand gehen. Jens Lassen, der Verbandsvorsitzende, warnt, dass der Hausärztemangel nicht gelöst ist und fordert mehr Nachwuchs und Entlastungen für die niedergelassenen Ärzte.

Herausforderungen im ländlichen Raum

<pTrotz der positiven Entwicklungen gibt es signifikante Herausforderungen für Hausärzte, insbesondere in ländlichen Gebieten. Dr. Hans-Dieter Trepkau aus Ahrensbök berichtet von überfüllten Sprechstunden und einem hohen bürokratischen Aufwand, der etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Schätzungen zufolge sind knapp 5000 Hausarztpraxen unbesetzt, und bis 2035 könnten bis zu 11.000 Hausärzte fehlen. Die Kassenärztliche Vereinigung warnt bereits vor einem drohenden Rückgang der hausärztlichen Versorgung.

Ein weiteres Problem ist, dass trotz einer ausreichenden Anzahl von Ärzten in Deutschland viele in andere Branchen abwandern. Dr. Arthur Klementz hat beispielsweise seine Praxis verkauft und arbeitet nun angestellt in einem Medizinischen Versorgungszentrum. Um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, fordert Gesundheitsminister Karl Lauterbach einen Ausbau der Medizinstudienplätze, da zuletzt 50.000 Mediziner zu wenig ausgebildet wurden.

Trotz einer intensiven Suche nach Verstärkung in ihren Praxen, wie auch Dr. Trepkau sie betreibt, bleibt die Gewinnung neuer Hausärzte problematisch. Das geplante Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) soll helfen, Bürokratien abzubauen, doch ist die Umsetzung ungewiss. Besonders in ländlichen Regionen funktionieren digitale Lösungen und Telemedizin oft nicht, was die Situation zusätzlich verschärft. Hausärzte verdienen im Vergleich zu anderen Medizinern weniger, was die Nachwuchsgewinnung weiter erschwert. Trepkau beschreibt eine persistente Belastung durch bürokratische Aufgaben, die ihn oft dazu bringen, im Grunde umsonst zu arbeiten.

Ort des Geschehens

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