Bewohner des Hansenhauses suchen neue Investoren gegen Gentrifizierung
Altona, ein Zentrum der Gentrifizierung in Hamburg, sucht Kreditgeber für das selbstverwaltete Hansenhaus—ein symbolträchtiges Projekt.

Bewohner des Hansenhauses suchen neue Investoren gegen Gentrifizierung
Schildert man das aktuelle Geschehen im Hamburger Schanzenviertel, so steht der Slogan „Betongold – och nö“ im Schaufenster eines Gebäudes, das durch seine bröckelnde Fassade ins Auge fällt. Das Viertel hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt und gilt heute als das Epizentrum der Gentrifizierung, insbesondere entlang der Straße Schulterblatt. Hier finden sich historische Grenzsteine zwischen Hamburg und Altona im Gehwegplaster, die an eine Zeit erinnern, in der noch alles anders war. In unmittelbarer Nähe thront das autonome Zentrum Rote Flora und zieht zahlreiche Menschen an, die dem neuen Trend trotzen wollen; doch die großen Ketten setzen den kleinen, inhabergeführten Geschäften immer mehr zu.
Das „Hansenhaus“, einst im Besitz des alten Eigentümers Herrn Hansen, ist heute eine Keimzelle der solidarischen Gemeinschaft. Die Bewohner, die das Gebäude von ihm abkauften, sehen sich nun jedoch mit der Herausforderung konfrontiert, neue Kreditgeber für ihre Projekte zu finden. Der Kauf wurde durch die „Likedeelerei – Syndikat für solidarisches Wohnen“ ermöglicht, und die aktuellen Eigentümer suchen dringend frisches Geld, da bestehende Kredite bald auslaufen. Hoch im Kurs stehen dafür kreative Lösungen – auch Handwerker sind gefragt, um die Sanierungskosten zu decken.
Die Auswirkungen der Gentrifizierung
Die Gentrifizierung ist ein Phänomen, das nicht nur Hamburg, sondern auch viele andere Städte in Deutschland betrifft. In Berlin etwa sind die steigenden Mietpreise immer wieder ein Thema, das die sozialen Strukturen der Stadt nachhaltig verändert. Hier, wie auch in Hamburg, erleben langjährige Anwohner oft eine schmerzhafte Verdrängung durch neue Bewohner, die andere Ansprüche mitbringen. Viele alteingesessene Geschäfte, wie etwa der Stüdemanns Teehandel oder der Selekta Shop, sind bereits durch Franchise-Ketten bedroht; eine kulturelle Transformation, die soziale Spannungen nach sich zieht.
Ebenfalls veranschaulichen die Entwicklungen in Nürnberg, wo ein Streit um Stadtberuhigungsmaßnahmen im Stadtteil Gostenhof zeigt, wie schwierig es ist, das Gleichgewicht zwischen neuer Gestaltung und bestehender Nachbarschaft zu finden. Hier experimentiert man mit „Superblocks“, um den Verkehr zu beruhigen und die Straßen lebendiger zu gestalten. Doch auch diese Maßnahmen kommen nicht ohne Herausforderungen aus, besonders für kreative Menschen, die in den betroffenen Gegenden leben.
Auf der Suche nach Lösungen
Die politische Antwort auf diese Entwicklungen ist oft uneinheitlich. Pläne zur Bekämpfung der Gentrifizierung, wie Mietpreisbremse oder die Schaffung von sozialem Wohnraum, zeigen gemischte Ergebnisse. In Hamburg wird ebenfalls ein Weg gesucht, um eine Balance zwischen Investoreninteresse und den Bedürfnissen der Anwohner zu finden. Unterstützung bieten Stadtteilinitiativen, die sich für die Interessen der Bewohner starkmachen und sich im Bereich der sozialen Medien mobilisieren.
Der aktuelle Wandel im Schanzenviertel verdeutlicht die Notwendigkeit einer stärker an den Anwohnern orientierten Stadtplanung. Ob die Zukunft des Hansenhauses in Form eines Neubaus oder der Erhalt der Geschichte bestehen bleibt, hängt letztendlich von der Gemeinschaft ab, die sich weiter für ein solidarisches Wohnprojekt einsetzen muss. Den Menschen im Schanzenviertel, die nicht nur ihr Wohnumfeld, sondern auch ihre Nachbarschaften verteidigen wollen, stehen dabei noch viele Fragen und Herausforderungen bevor.