Flüchtlingsheim in Harvestehude: Ein abschließendes Kapitel voller Kontroversen

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In Hamburg-Harvestehude schließt die Flüchtlingsunterkunft nach jahrelangen Kontroversen, die Anwohner und Migranten betreffen.

In Hamburg-Harvestehude schließt die Flüchtlingsunterkunft nach jahrelangen Kontroversen, die Anwohner und Migranten betreffen.
In Hamburg-Harvestehude schließt die Flüchtlingsunterkunft nach jahrelangen Kontroversen, die Anwohner und Migranten betreffen.

Flüchtlingsheim in Harvestehude: Ein abschließendes Kapitel voller Kontroversen

In Hamburg tut sich einiges im Hinblick auf die Unterbringung von Flüchtlingen. Besonders die Flüchtlingsunterkunft in Harvestehude sorgt immer wieder für Aufregung. Diese Einrichtung, die seit ihrer Eröffnung vor etwa zehn Jahren viel Diskussion ausgelöst hat, bereitet sich nun auf einen endgültigen Schlussstrich vor. Die sechs Kinder aus Afghanistan, die im Juni draußen beobachteten, wie Möbel aus der Unterkunft gebracht wurden, sind nur eines von vielen Zeichen, dass sich hier bald etwas verändern wird. Welt berichtet, dass das Erdgeschoss der Unterkunft bereits leer ist, da die letzten Flüchtlinge Ende Juli ausgezogen sind. Viele wurden in weit entfernte Stadtteile umgesiedelt, was bei den betroffenen Familien für Unruhe sorgt.

Wie alles begann? Im Jahr 2015, als Olaf Scholz, der damalige Regierende Bürgermeister, die Ansiedlung des Heims in diesem wohlhabenden Viertel trotz vieler Einwände unterstützte, war die Stimmung angespannt. Anwohner hatten Bedenken wegen der Sicherheit und befürchteten sogar Wertverluste ihrer Immobilien. Ein Kompromiss wurde schließlich im September 2015 erzielt, der es 190 Flüchtlingen, vorwiegend Familien, ermöglichte, ein neues Zuhause zu finden.

Ein umstrittener Standort

Zehn Jahre nach der Eröffnung steht die Unterkunft nun vor dem Aus. Die Stadt Hamburg hat viel investiert: Rund fünf Millionen Euro wurden 2015 für die umfassende Renovierung des umgebauten Kreiswehrersatzamtes aufgewendet. Doch der Widerstand der Nachbarschaft blieb nicht aus. Anwohner klagten bereits 2015 gegen das Heim, was zu einem gerichtlichen Vergleich führte. Neueste Entwicklungen signalisieren, dass die Unterkunft in der Sophienterrasse nun möglicherweise doch bis auf Weiteres bleibt. NDR berichtet von Gesprächen zwischen der Sozialbehörde und Anwohnern, um die Zukunft des Standorts zu klären. Obwohl die Schließung ursprünglich für September 2024 geplant war, gibt es zurzeit keine Maßnahmen zur Umsetzung, was die Sorgen der Anwohner auf eine schwierige Bewältigung dieser Situation hinweist.

Aktuell leben 174 Menschen in der Unterkunft, darunter viele Familien mit Kindern. Carola Ensslen, die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linksfraktion, fordert dringend Klarheit über die Zukunft des Standorts. Hamburg benötigt tatsächlich dringend Platz für geflüchtete Menschen. Die Nachfrage nach Unterkünften ist enorm gestiegen, insbesondere seit Ende Februar 2022, als viele Menschen aus der Ukraine Schutz suchten. Hamburg.de weist darauf hin, dass die Anzahl der geflüchteten Personen, die eine Unterkunft benötigen, die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Es müssen also dringend Maßnahmen ergriffen werden, während gleichzeitig die Kosten für die bestehenden Unterkünfte weiter steigen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Flüchtlingsunterkunft in Harvestehude mag zwar bald Geschichte sein, jedoch bleibt die Herausforderung bestehen. In ganz Hamburg leben aktuell über 44.000 Geflüchtete in öffentlichen Unterkünften, darunter nur eine einzige in einem wohlhabenden Viertel. In Klein-Flottbek werden Containerhäuser für 144 Geflüchtete errichtet, was Hoffnung auf mehr verfügbare Plätze gibt. Befürworter vor Ort versuchen, den Neuankömmlingen aktiv Unterstützung zu bieten, um deren Integration in die Gesellschaft zu erleichtern.

Die Bilanz der Flüchtlingsunterkunft in Harvestehude zeigt, wie vielschichtig und emotional die Themen Migration und Integration in unserer Stadt sind. Es bleibt abzuwarten, wie der endgültige Verlauf der Situation rund um die Unterkunft sich entwickeln wird, aber eines ist sicher: Diese Diskussion ist noch lange nicht abgeschlossen.