Kleists Der zerbrochne Krug erstrahlt in Wilhelmshaven in neuem Glanz!
Nicola Bremer inszeniert Kleists "Der zerbrochne Krug" am 17.11.2025 in Wilhelmshaven – eine emotionale Aufführung voller Überraschungen.

Kleists Der zerbrochne Krug erstrahlt in Wilhelmshaven in neuem Glanz!
Im Herzen von Wilhelmshaven bringt die neue Oberspielleiterin Nicola Bremer frischen Wind ins Theater. Sie inszeniert Kleists „Der zerbrochne Krug“, ein Klassiker, der nicht nur im Abitur behandelt wird, sondern auch die Zuschauer mit originellen Details in seinen Bann zieht. NWZonline berichtet, dass die Inszenierung um die Handlung von 1800 kreist, einer Zeit, die vor modernen Methoden der Spurensicherung und Beweisaufnahme lag.
Zentral ist das Thema der Wahrnehmung, denn die Charaktere beharren auf ihren ganz eigenen Versionen der Geschichte. Damit das Publikum im Unklaren bleibt, was auf das Finale hinausläuft, hält Bremer die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Ein markantes Element der Inszenierung ist die große, weiße Katzenpfote, die von Sven Heiß dargestellt wird und für Aufsehen sorgt.
Vom Knall zum Drama
Die Bühne wird von einem lauten Knall und Rauch eingenommen, was die Zuschauer gleich zu Beginn packt. Aus den Teilen des Corpus Delicti werden die Anklagebank, das Podium und die Registratur des Richters Adam (gespielt von Stefan Faupel) gestaltet, der mit Verletzungen am Kopf auftritt und auf eine wohl skurrile Geschichte mit einer Katze verweist. Damit das Publikum weiß, worum es geht, dreht sich die Gerichtsverhandlung um den zerbrochenen Krug der Marthe Rull (Aida-Ira El-Eslambouly).
Inmitten des juristischen Chaos versuchen Gerichtsrat Walter (Simon Ahlborn) und Schreiber Licht (Félicien Moisset), die Situation zu klären. Das Stück entwickelt sich nicht nur als Kriminalfall, sondern auch als romantische Liebesgeschichte zwischen Eve Rull (Anne Weise) und Ruprecht Tümpel (Friedrich Steinlein).
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Sprache bleibt dem Stil von Heinrich von Kleist treu, doch die Figuren bekommen durch die Inszenierung mehr Innenleben und Tiefe. Die Zuschauer können sich emotional an die Charaktere binden und deren Entwicklungen hautnah miterleben. Bremer zeigt mit dieser Inszenierung nicht nur talentiertes Regie-Händchen, sondern regt auch zum Nachdenken über menschliche Sehnsüchte und Beziehungen an.
Das Interesse an der Beziehung zwischen Dramentext und Theater wird auch in neueren Studien thematisiert. Wie in der Analyse von Milena Rolka deutlich wird, wird der Auftritt im Drama seit dem 18. Jahrhundert als wesentliches Strukturprinzip betrachtet. Diese Sichtweise ergänzt die Bereitschaft des Publikums, sich auf die Darbietung einzulassen und die Komplexität der dargestellten Beziehungen zu erkennen. Königshausen & Neumann beschreibt diese Dramaturgie als entscheidend für das Verständnis der Kleist’schen Werke.
Mit dieser kreativen Inszenierung von „Der zerbrochne Krug“ zeigt Nicola Bremer, dass das Theater auch in der heutigen Zeit hoch im Kurs ist und einen Raum für Reflexion über das Menschsein bieten kann.