E-Call in Bremen: Über 4000 Alarmierungen, aber fast 2500 Fehlalarme!
E-Call in Bremen: Trotz hoher Fehlalarmzahlen seit 2018 rettet das System Leben. Neue Regelungen und Technologien stehen bevor.

E-Call in Bremen: Über 4000 Alarmierungen, aber fast 2500 Fehlalarme!
Im Herzen der oft bewegten Verkehrsdebatte steht seit 2018 das E-Call-System, das in allen Neufahrzeugen in der EU Pflicht ist. Doch nicht alles läuft rund, wie die jüngsten Zahlen aus Bremen zeigen. Insgesamt gab es seit der Einführung fast 4100 Alarmierungen – ein beachtlicher Wert, der jedoch auch Schattenseiten aufweist: Rund 2500 dieser Meldungen waren Fehlalarme. Der Weser-Kurier berichtet, dass in Bremen von 1984 Alarmierungen stolze 1661 auf Fehlalarme entfallen. In Bremerhaven sieht die Bilanz mit 2155 Alarmierungen und 762 Fehlalarmen ähnlich aus.
Das E-Call-System hat seine Aufgabe, wertvolle Zeit im Ernstfall zu sparen und Leben zu retten, fest im Griff. Es sendet automatisch Standortdaten an die Rettungsleitstellen, wenn die Airbags im Fahrzeug auslösen. Interessanterweise wird das System bei weniger dramatischen Vorfällen wie Parkremplern nicht aktiviert. Manchmal gelingt es jedoch auch Fahrern, per manuellem Druck auf den E-Call-Button Hilfe anzufordern. Das klingt nach einem durchdachten System, jedoch wird die hohe Anzahl an Fehlalarmen hervorgerufen durch ungewollte technische Anlässe oder unabsichtliche manuelle Aktivierungen.
Der Nutzen trotz Herausforderungen
Obwohl die Fehlerquote besorgniserregend ist, betonen Experten den unbestreitbaren Nutzen des E-Call-Systems. Es soll nicht nur die Wartezeit nach einem Unfall verkürzen, sondern auch die Rettungszeiten erheblich verbessern. Ein Beispiel aus Twistringen im Mai 2025 zeigt, wie schnell Hilfe geleistet werden konnte – ein klarer Pluspunkt für das Konzept. Die EU-Kommission schätzt, dass der E-Call jährlich bis zu 2500 Verkehrstote einsparen könnte. Die Zahlen belegen: Das System hat Potenzial, wenn man ihm nur die Zeit gibt, sich zu etablieren.
Allerdings steht das E-Call-System vor einer neuen Herausforderung. Aktuell basiert es auf der 2G-Technologie, die voraussichtlich 2028 von der Telekom und 2030 von Vodafone abgeschaltet werden soll. Diese Änderung könnte dramatische Auswirkungen haben, denn fast 16 Millionen Autos könnten betroffen sein. Ab dem 1. Januar 2026 wird der nächste evolutive Schritt eingeleitet: Der Next Generation E-Call wird künftig auf dem 4G-Mobilfunknetz (LTE) basieren, was bis 2027 für alle Neufahrzeuge Pflicht werden soll.
Regulatorische Neuerungen
Die regulatorischen Rahmenbedingungen stehen ebenfalls im Fokus. Am 14. Februar 2024 wurde die Änderung der Regulation (EU) 2015/758 zur Einführung von Standards für den E-Call veröffentlicht. Diese neuen Richtlinien in Folge der bis dato gewonnenen Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit und Wichtigkeit zusätzlicher Anpassungen an das System.
Zusammengefasst zeigt sich, dass das E-Call-System eine spannende Entwicklung im Bereich der Verkehrssicherheit darstellt – auch wenn die Implementierung noch holprig ist. Es bleibt abzuwarten, wie die neuen regulatorischen Änderungen und der Umstieg auf das 4G-Netz die aktuellen Herausforderungen meistern werden. Fest steht jedoch: Ein gutes Händchen ist gefragt, damit das E-Call-System zu dem wird, was es sein soll: ein Leben rettendes Hilfesystem auf vier Rädern.