Greifswalderin kämpft gegen Gewalt: Ein Nein reicht nicht mehr!
Julia Groß aus Greifswald setzt sich seit 20 Jahren gegen Gewalt an Frauen ein. Sie bietet Selbstverteidigungskurse und Workshops an.

Greifswalderin kämpft gegen Gewalt: Ein Nein reicht nicht mehr!
In Greifswald setzt sich Julia Groß leidenschaftlich für das Thema Gewalt gegen Frauen ein. Ihre persönliche Geschichte ist ebenso bewegend wie inspirierend. Schon in ihrer Jugend war sie mit aggressiven Auseinandersetzungen konfrontiert und erlebte selbst gewalttätige Übergriffe. Ihre farbenfrohen Kleidungsstücke aus den 90er-Jahren waren nicht immer ein Schutz, sondern führten auch zu Anfeindungen. Doch anstatt die Flucht zu ergreifen, entschloss sie sich, sich zur Wehr zu setzen, gestützt auf ihre Ausbildung in Judo und Ringen. Dieses Durchhaltevermögen prägte ihren weiteren Werdegang.
Damals arbeitete sie in einem Asylheim, wo Gewalt zur traurigen Normalität zählte. Auch dort weckte ihre Kampfausbildung Respekt und sorgte dafür, dass sie sich behaupten konnte. Diese Erfahrungen sind der Grundstein für ihr Engagement, das sie seit über 20 Jahren in Form von Selbstverteidigungskursen für Frauen in ihrer Heimatstadt umsetzt. Die Teilnehmerinnen dieser Kurse bringen oft eigene erschütternde Geschichten mit, in denen sexualisierte Gewalt eine Rolle spielt. Julia Groß sieht es als ihre Aufgabe, den Frauen nicht nur Kampftechniken beizubringen, sondern auch das Bewusstsein für Selbstschutz und persönliche Grenzen zu schärfen.
Prävention und Sensibilisierung
Die Kurse von Groß thematisieren die Notwendigkeit, klare Grenzen zu setzen, um körperliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Dies deckt sich mit den Zielen der Prävention, die nicht nur darauf abzielt, Gewalt zu verhindern, sondern auch opferfreundliche Hilfsangebote zu schaffen. Die Webseite frauen-gegen-gewalt.de hält fest, dass es entscheidend ist, Anzeichen von Gewalt zu erkennen und jederzeit ansprechbar zu sein. Die Reaktionen von vertrauten Personen spielen dabei eine Schlüsselrolle, denn betroffene Frauen müssen sich in ihrem sozialen Umfeld verstanden und unterstützt fühlen.
Um das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen zu schärfen, beteiligt sich Julia Groß an den “Orange Days” vom 25. November bis 10. Dezember. Diese Kampagne widmet sich weltweit der Sensibilisierung für das Thema und möchte erreichen, dass Gewalt gegen Frauen nicht länger hinnehmbar ist. Sie unterstreicht, dass die Verantwortung für gewalttätige Handlungen immer bei den Tätern liegt und nicht auf den Opfern lasten darf. In diesem Zusammenhang sind auch Bildungs- und Aufklärungsmaßnahmen von großer Bedeutung, um geschlechtsspezifische Stereotypen abzubauen.
Ein Ort für Unterstützung und Lernen
Getragen von ihrer Überzeugung hat Groß in ihrem Geschäft MeerHanf in der Kuhstraße ein zusätzliches Angebot geschaffen. Jeder Werktag von 18 bis 20 Uhr bietet sie kostenlose Workshops und Vorträge an, die sich beispielsweise mit Selbstfürsorge, kreativem Schreiben zur Traumabewältigung und Beziehungsarbeit beschäftigen. Diese Formate sind nicht nur für Frauen gedacht, sondern sollen Raum für Austausch und gemeinsames Lernen bieten.
Das Engagement von Julia Groß ist ein Teil der breiteren Anstrengungen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Es wird zunehmend erkannt, dass die ökonomische Gleichstellung sowie Bildung entscheidende Faktoren für die Prävention sind. Die WHO hat in einer Studie aufgezeigt, dass ökonomische Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ein Indikator für Partnergewalt darstellt. Daher ist es unerlässlich, das Thema in Aus- und Weiterbildungsprogrammen zu integrieren und eine gesellschaftliche Diskussion darüber anzuregen, was gesunde Beziehungen ausmacht.
Wenn Sie mehr über lokale Initiativen, Selbstverteidigungskurse oder Unterstützungsmöglichkeiten erfahren möchten, können Sie sich auf der Webseite der Ostsee-Zeitung über die aktuellen Angebote informieren: Ostsee-Zeitung. Darüber hinaus ist es wichtig, sich mit Prävention und Unterstützung auseinanderzusetzen, was Sie auf frauen-gegen-gewalt.de nachlesen können.