Von Krieg zu Frieden: Der Flughafen Parchim und seine bewegte Geschichte
Entdecken Sie die facettenreiche Geschichte von Parchim, von Kriegsgefangenenlagern bis zu heutigen Nutzungskonzepten.

Von Krieg zu Frieden: Der Flughafen Parchim und seine bewegte Geschichte
Der Flughafen Schwerin-Parchim hat eine bewegte und vielschichtige Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ab den 1880er Jahren diente das Gelände als Kavallerie-Exerzierplatz, bevor es im Ersten Weltkrieg zu einem der größten Kriegsgefangenenlager Deutschlands umfunktioniert wurde. Im Oktober 1914 wurden hier bis zu 15.000 Gefangene aus verschiedenen Nationen in etwa 250 Holzbaracken untergebracht, berichtet der Nordkurier. Das Lager war nicht nur ein Ort des Leidens, in dem etwa 1.400 Gefangene an Krankheiten und Verletzungen starben, sondern bot auch einige Annehmlichkeiten wie elektrische Beleuchtung, Werkstätten und religiöse Einrichtungen. Viele der Verstorbenen wurden auf einem nahegelegenen Friedhof beigesetzt.
Das Kriegsgefangenenlager Parchim bestand von 1914 bis 1921 und erlebte mehrere Umwandlungen. Nach dem Ersten Weltkrieg diente es zeitweise als Internierungslager für Soldaten der Roten Armee, vor allem russische Soldaten, die im Polnisch-Sowjetischen Krieg kämpften. Die Bedingungen für die Internierten waren erschreckend; viele litten an Kälte, Hunger und Krankheiten, was zur hohen Sterblichkeit von rund 1.200 Menschen führte. Auch hier bedurften die Überlebenden eines Abkommens mit Sowjetrussland, um bis Juli 1921 zurückkehren zu können, wie die Wikipedia festhält.
Vom Militärgelände zum Flughafen
Im Jahr 1937 wurde das Gelände erneut militärisch genutzt, als die Luftwaffe einen Flugplatz errichtete. Dieser Standort entwickelte sich schnell zu einem zentralen Punkt für Luftlandetruppen und Nachtjägerstaffeln im Zweiten Weltkrieg. Der Flugplatz diente als Testgelände für innovative Flugzeuge, darunter die Messerschmitt Me 163 und Me 262. Im April 1945 wurde er jedoch bei einem Angriff der US-Luftwaffe stark beschädigt.
Nach dem Krieg wurde der Platz von sowjetischen Truppen genutzt, die bis 1992 blieben. Schließlich übernahm 2007 der chinesische Investor Jonathan Pang das Areal für 30 Millionen Euro mit dem ehrgeizigen Plan, ein internationales Fracht-Drehkreuz zu schaffen und ein Fünf-Sterne-Hotel sowie ein großes Duty-Free-Center zu errichten. Doch diese Pläne scheiterten letztlich aufgrund von Schwierigkeiten bei Zahlungen und fehlenden Genehmigungen. Im Mai 2019 ging die Betreibergesellschaft schließlich in die Insolvenz, und der Flughafen wurde im Februar 2023 endgültig geschlossen.
Die Zukunft des Geländes
Aktuell wird das Gelände für die Lagerung von Neuwagen durch die BLG Autoterminal genutzt. Die komplexen Besitzverhältnisse und offenen Fragen zur künftigen Nutzung des Areals sind jedoch weiterhin ungelöst. Der Verlust der Flughafeninfrastruktur hat nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern wirft auch Licht auf die schmerzliche Geschichte des Ortes, die von Kriegsgefangenschaft und Leid geprägt ist.
Die Erkundung dieser dunklen Kapitel der Geschichte ist wichtig. Während sich das Bundesarchiv intensiv mit den unterschiedlichsten Aspekten der Kriegsgefangenschaft auseinandersetzt, bietet es Forschern und Angehörigen die Möglichkeit, zahlreiche Informationen über die Schicksale der Lagerinsassen einzuholen. In den Beständen, etwa im Militärarchiv, sind viele Dokumente mit historischen Einblicken überliefert, die für das Verständnis dieser schmerzhaften Vergangenheit unerlässlich sind, wie das Bundesarchiv aufzeigt.