Wirtschaftskrise in Mecklenburg-Vorpommern: Unternehmer verzweifeln!
Mecklenburg-Vorpommern kämpft 2025 mit wirtschaftlicher Stagnation, steigenden Kosten und sinkenden Investitionen.

Wirtschaftskrise in Mecklenburg-Vorpommern: Unternehmer verzweifeln!
Die wirtschaftliche Lage in östlichem Mecklenburg-Vorpommern bleibt angespannt und zeigt keine Anzeichen der Besserung. Diese ernüchternden Erkenntnisse veröffentlichte die IHK Neubrandenburg im Rahmen ihrer aktuellen Konjunkturumfrage, an der 362 Unternehmen aus verschiedenen Branchen teilnahmen. Trotz der vergangenen Monate, die oft von Hoffnungen auf Besserung geprägt waren, hat sich das Konjunkturklima bei einem Indexstand von 97 Punkten stagnierend auf einem deutlich niedrigeren Niveau als der zehnjährige Durchschnitt von 110 Punkten eingependelt. Die Stimmung unter den Unternehmern ist insgesamt schlecht bis pessimistisch.
Besonders alarmierend ist, dass 68 Prozent der Unternehmer die steigenden Arbeitskosten als das größte Risiko für ihre Geschäfte ansehen. Diese Zahl ist im Vergleich zur letzten Erhebung um fünf Prozentpunkte angestiegen. Ein wesentlicher Faktor ist die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro zum Jahreswechsel, die für viele Betriebe eine erhebliche Mehrbelastung bedeutet. Nur 6 Prozent der Unternehmen denken daran, neue Mitarbeiter einzustellen, während 28 Prozent mit einem Rückgang ihrer Belegschaft rechnen müssen.
Herausforderungen für die Unternehmen
Die Unternehmer sehen hohe Bürokratie und ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als das zweitgrößte Problem. Energiestörungen und steigende Rohstoffpreise werden von 57 Prozent der Betriebe als drittes großes Risiko wahrgenommen. Diese Faktoren führen dazu, dass lediglich 15 Prozent der Unternehmen planen, ihr Investitionsbudget zu erhöhen, während 42 Prozent Einschnitte vornehmen wollen. Fast die Hälfte der Betriebe beabsichtigt keine nennenswerten Investitionen oder plant Ausgaben von maximal 10.000 Euro, hauptsächlich für Ersatzbeschaffungen.
Die Geschäftslage insbesondere in der Industrie ist erstmals seit einem Jahrzehnt negativ, was auf hohe Arbeitskosten und eine schwache inländische Nachfrage zurückzuführen ist. Auch das Baugewerbe zeigt zwar Stabilität, kämpft jedoch mit erheblichem Fachkräftemangel. Der Handelssektor, insbesondere der Großhandel, leidet unter schwacher Nachfrage, während der Einzelhandel mit steigenden Arbeitskosten konfrontiert ist. Für das Verkehrsgewerbe hingegen sieht die Situation etwas besser aus, obwohl es ebenfalls unter hohen Kosten und dem Fachkräftemangel leidet. Das Gastgewerbe ist stark betroffen: Hier führen die steigenden Lohn- und Energiekosten zu einem Rückgang der Investitionen.
Politische Forderungen und Perspektiven
Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK, fordert dringend Maßnahmen von der Politik. Dazu gehören der Abbau von Reformstaus und eine Senkung der Lohnnebenkosten unter 40 Prozent. Er weist darauf hin, dass ohne diese Schritte eine Erholung der wirtschaftlichen Lage in der Region nicht in Sicht sei. Auch der Wunsch nach einer Nutzung von Sondervermögen zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft wird laut. In Verbindung mit der Diskussion um den Mindestlohn wird deutlich, wie sehr dieser die Unternehmen unter Druck setzt.
Die Mindestlohnkommission hatte erst kürzlich entschieden, den Mindestlohn auf 13,90 Euro für 2026 und 14,60 Euro für 2027 festzulegen. Dies blieb deutlich unter der angestrebten Zielmarke von 15 Euro im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. In der öffentlichen Debatte gibt es viele Mythen über die Auswirkungen eines höheren Mindestlohns, während Studien belegen, dass die Beschäftigung seit der Einführung des Mindestlohns 2015 gewachsen ist und die Arbeitslosigkeit gesunken ist. Ein höherer Mindestlohn würde insbesondere den Niedriglohnbereich stärken und die Fluktuation verringern, was für viele Unternehmen von Vorteil wäre.
Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern dringend auf politische Unterstützung angewiesen sind, um die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Die Sorgen und Ängste der Unternehmer müssen ernst genommen werden, damit sie nicht nur überleben, sondern auch prosperieren können.