Schmerzensgeld von 800.000 Euro: Familie kämpft nach Behandlungsfehler
Familie Tannigel erhält 800.000 Euro Schmerzensgeld nach rechtskräftigem Urteil über Behandlungsfehler bei der Geburt in Oldenburg.

Schmerzensgeld von 800.000 Euro: Familie kämpft nach Behandlungsfehler
In Bunde, einer kleinen Stadt im niedersächsischen Landkreis Leer, sorgte ein gerichtliches Urteil für Erleichterung und gleichzeitig für eine tiefe Traurigkeit bei der Familie Tannigel. Felix Tannigel, der nach einem Behandlungsfehler bei seiner Geburt schwerbehindert ist, erhielt vom Landgericht Aurich 800.000 Euro Schmerzensgeld. Dieses Urteil ist rechtskräftig, und die Familie hat drei lange Jahre in den Gerichtssälen für ihr Recht gekämpft. Felix kam leblos zur Welt und musste reanimiert werden. Heute kann er nicht laufen, spricht nicht richtig und benötigt rund um die Uhr Pflege.
Die Mutter, Suleika Tannigel, äußerte sich nach dem Urteil erleichtert: „Es ist ein bisschen wie ein Lichtblick, aber die Traurigkeit über die Situation bleibt.“ Man kann sich vorstellen, dass der langwierige Prozess einen hohen emotionalen Tribut gefordert hat. Die Klage gegen das Krankenhaus wurde bereits 2022 eingereicht, nachdem das Landgericht Aurich festgestellt hatte, dass der damalige Chefarzt den notwendigen Kaiserschnitt zu spät eingeleitet hatte. Der Vorsitzende Richter kam zu dem ernüchternden Schluss, dass Felix heute ein gesundes Kind wäre, wenn früher gehandelt worden wäre. Die Familie plant, das Schmerzensgeld für den barrierefreien Umbau ihres Hauses zu verwenden, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen.
Rekordverdächtige Schmerzensgelder in Deutschland
Das Urteil in Bunde ist jedoch nicht das einzige seiner Art. Auch in Göttingen fand jüngst ein Aufsehen erregender Fall statt. Hier wurde einer neunjährigen Patientin, die seit ihrer Geburt im Jahr 2016 schwerstbehindert ist, ein Schmerzensgeld von einer Million Euro zugesprochen. Diese Entscheidung, die auf gravierenden Fehlern während der Entbindung basierte, ist bislang noch nicht rechtskräftig, hat jedoch ähnliche Dimensionen wie der Fall Tannigel. Die Tatsache, dass kein Notkaiserschnitt trotz einer fetalen Notlage durchgeführt wurde, sowie die unzureichende Versorgung nach der Geburt führten zu schweren Schäden.
Die Beurteilung solcher Behandlungsfehler basiert nicht nur auf medizinischen, sondern auch rechtlichen Aspekten. Die Schmerzensgeldansprüche beruhen auf vertraglicher und deliktischer Haftung, wobei grobe Behandlungsfehler eine Beweislastumkehr zugunsten des Patienten nach sich ziehen. Damit sind die rechtlichen Hürden für Familien, die gegen medizinische Fehler vorgehen, stark gesenkt worden. Obgleich hier im Landgericht Göttingen das höchste Schmerzensgeld, das jemals für einen solchen Fall zugesprochen wurde, erging, zeigt es viel mehr die gravierenden Auswirkungen, die fehlerhafte medizinische Entscheidungen auf das Leben von Patienten und deren Angehörigen haben können.
Die Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen
Ärzte und Hebammen tragen eine große Verantwortung, und die rechtlichen Anforderungen an sie sind klar. Lückenlose Dokumentation, engmaschige Überwachung und rechtzeitige Reaktionen bei Komplikationen sind unerlässlich, um das Wohl der Patient:innen nicht zu gefährden. Die aktuellen Urteile unterstreichen die Notwendigkeit höchster Sorgfalt in der Geburtshilfe und die tiefen Folgen von groben Behandlungsfehlern. Diese tragischen Fälle machen deutlich, wie wichtig es ist, dass bei der Geburt alles glatt läuft – denn im wahrsten Sinne des Wortes liegt hier viel auf dem Spiel.
Gerade in einem Bereich, der so vertraut und doch so verletzlich ist, muss für alle Beteiligten sichergestellt werden, dass medizinische Standards eingehalten werden. Die Schmerzensgelder, wie sie in den Fällen von Felix Tannigel und der neunjährigen Patientin in Göttingen zugesprochen wurden, sollen nicht nur für erlittenes Leid entschädigen, sondern auch als Mahnmal für die Notwendigkeit von Sorgfalt und Verantwortung dienen. Wir hoffen, dass diese Urteile eine Wende zum Besseren in der medizinischen Praxis bewirken können, um solch tragische Schicksale in Zukunft zu verhindern.
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